# taz.de -- Nach Naturschutz und Regen in der Türkei: Die Rückkehr der Flamingos
> Der zweitgrößte See der Türkei war bis vor Kurzem wegen Dürre und
> Übernutzung so gut wie verschwunden – und mit ihm eine wichtige
> Flamingo-Brutstätte.
IMG Bild: Flamingos mit Küken im Tuz Gölü im Juni 2026
Es sind ikonische Bilder, die derzeit im [1][türkischen] Fernsehen zu sehen
sind. Im milden Licht der Abendsonne sieht man Abertausende rosa
schimmernde Flamingos, wie sie in ihrem typischen staksigen Gang am Rand
des zweitgrößten türkischen Sees entlangwandern, des Tuz Gölü. Die Bilder
sind nicht nur ein ästhetischer Genuss, sie zeigen vor allem eine
ökologische Sensation.
Der Tuz Gölü liegt in einer Senke mitten in Zentralanatolien. Er umfasst
zwar 1.500 Quadratkilometer, ist aber extrem flach und misst an seiner
tiefsten Stelle nur zwei Meter. Der See hat weder einen Zu- noch einen
Abfluss. Sein Name bedeutet auf Türkisch „Salzsee“ und weist auf den extrem
hohen Salzgehalt des Gewässers hin, der bei 33 Prozent liegt. An den
Rändern des Tuz Gölü wird 70 Prozent des in der Türkei verbrauchten Salzes
abgebaut. [2][Doch vor wenigen Jahren, im Dürresommer 2021], flimmerte
anstelle des Sees, von wenigen Wasserflecken abgesehen, nur noch eine
Salzwüste in der Sonne.
Die Flamingos, die den See seit Jahrhunderten als einen der größten
Brutplätze im ganzen Nahen Osten nutzen, waren verschwunden. Eine große
Dürre und die Übernutzung des Grundwassers durch die [3][Landwirtschaft]
hatten den See ausgetrocknet. Verschiedene Naturschutzmaßnahmen, vor allem
aber die starken Regenfälle in diesem Frühjahr und Winter haben den See
jetzt wieder zum Leben erweckt.
Und die Flamingos sind zurück, mehr von ihnen als jemals zuvor. Aus der
Luft, mithilfe von Drohnen, haben Ornithologen mehr als 12.800 neu
geschlüpfte junge Flamingos gezählt. Das sind mehr Jungtiere als in vielen
Jahren zuvor. Mustafa Uzun, Chef der Naturschutzbehörde im
Umweltministerium, ist sehr zufrieden mit der diesjährigen Situation am Tuz
Gölü. „Der See ist voller Leben, die Flamingos haben genug Futter, um
heranzuwachsen, um dann gegen Ende des Jahres nach Afrika zu migrieren. Im
nächsten Frühjahr kommen sie dann zurück.“
## Landwirtschaft durfte weniger Wasser nutzen
Viele Seen in der Türkei standen aufgrund von Dürre und Übernutzung in den
Jahren 2021 und 2022 auf der Kippe. Den Tuz Gölü traf es aber besonders
hart, weil er sich nur aus dem Grundwasser und von Regenfällen speist.
Es ist normal, dass der Tuz Gölü in manchen Sommern in Teilen trockenfällt,
aber so katastrophal wie vor fünf Jahren war es seit Menschengedenken
nicht. In der Folge wurde die Wasserentnahme durch Tiefenbohrungen für die
Landwirtschaft etwas eingeschränkt und stattdessen Wasser in den See
geleitet. Gerettet hat den See dann aber der üppige Regen in diesem Jahr.
Aber was, wenn es in den folgenden Jahren wieder weniger regnet, wie es
auch der fortschreitende Klimawandel erwarten lässt? Vor einem Jahr hat das
Umweltministerium deshalb dazu aufgefordert, Wasser effizienter zu nutzen.
Moderne Bewässerungsmethoden für die Landwirtschaft und die
Wiederaufbereitung von Wasser in den Städten und touristischen
Ballungsgebieten an den Küsten sollen forciert werden. Für die Metropole
Istanbul wird außerdem der Bau einer Meerwasserentsalzungsanlage
diskutiert.
Erst einmal genießen die Naturliebhaber in diesem Sommer aber den
wiederauferstanden Tuz Gölü. An seinem Ufer sind mehrere Öko-Camps für
Vogelliebhaber entstanden. Außer den Flamingos sind am See auch wieder
etliche Raubvögel aufgetaucht, darunter der seltene Steppenadler. Der See
liegt sehr abgelegen mitten in dem Dreieck Ankara, Konya und Aksaray. Die
nächstgelegene Stadt ist Aksaray, 50 Kilometer entfernt. Auch deshalb ist
der See zu einem Hotspot für Ökotouristen geworden. Abseits der
Zivilisation kann man hier gelegentlich noch so etwas wie ursprüngliche
Natur genießen.
24 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Jürgen Gottschlich
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