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       # taz.de -- Diskussion mit queeren, linken Autoren: Weiterkämpfen gegen Verachtung und Ausgrenzung
       
       > Wie lässt sich der Faschismus bekämpfen? In Berlin suchen die Autoren
       > Éribon, Louis und von Redecker nach linken Antworten.
       
   IMG Bild: Didier Eribon, Eva von Redecker, Amina Aziz (Moderation) und Édouard Louis (v.l.n.r.) am vergangenen Donnerstag in Berlin
       
       Eine Philosophin, ein Soziologe und ein Schriftsteller diskutieren darüber,
       wie sich der Faschismus bekämpfen lässt. Die nächste weltrettende Theorie
       von Eva von Redecker, Didier Eribon oder Édouard Louis wird es an diesem
       Abend nicht geben. Vielmehr eine umfassende ideologische Ausführung ihrer
       bisherigen Werke.
       
       „Queer und Klasse: Über Armut, Ausgrenzung und Solidarität“ lautete das
       Thema der Diskussion am vergangenen Donnerstag in Berliner Haus der
       Kulturen der Welt. Und weil die drei Autor:innen komplizierte Theorien
       einfach ausdrücken und ein brillanter linker Diskurs immer willkommen ist,
       bleibt man bis zum Ende gefesselt.
       
       Als der [1][Franzose Eribon] seinen Bestseller „Rückkehr nach Reims“ 2009
       veröffentlichte, lag der Rassemblement National (RN) in den Umfragen bei
       rund 20 Prozent. Über 15 Jahre später hat der RN sein Ergebnis verdoppelt,
       die AfD liegt inzwischen bei rund 20 Prozent. Die Armen werden immer ärmer,
       die Reichen immer reicher. Und Eribon fragt in Berlin: „Wie ist es dazu
       gekommen?“
       
       Er selbst sieht darin ein bitteres Versagen der Sozialdemokratie. Der
       ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz soll „Rückkehr nach Reims“ zu seiner
       Lieblingslektüre gezählt haben – und bleibt von einer Spitze des Autors
       nicht verschont. „Wenn Scholz meine Bücher so sehr mochte, hätte er sich
       etwa mehr davon inspirieren lassen können …“, sagt er.
       
       Und erinnert auch an die französischen Proteste gegen neoliberale Reformen,
       die in Polizeigewalt endeten – zunächst gegen die Arbeitsmarktreform 2016,
       später bei der Gelbwestenbewegung ab 2018. „Wenn alle anderen Möglichkeiten
       des Protests gewaltsam unterdrückt werden, wählt man Marine Le Pen.“
       
       ## Männlich als der Reichtum der Armen
       
       Aus seiner Kindheit in einer Arbeiterfamilie im Norden Frankreichs erinnert
       sich [2][Édouard Louis] daran, dass man Le Pen wählt, weil sie „Eier“ hat.
       „Männlichkeit ist der Reichtum der Armen“, sagt er. Der Reichtum der Armen
       aus den unteren Schichten, aber auch der „psychologisch Armen“ aus der
       Bourgeoisie – à la Trump, Milei oder Le Pen.
       
       Männlichkeit sei jener „erbärmliche Phantombesitz“, wie Eva von Redecker es
       nennt, an den man sich klammere, wenn man sonst nichts habe. In ihrem
       jüngsten Buch „Dieser Drang nach Härte“ beschreibt sie, wie der
       Neoliberalismus Ersatzbesitz schafft: Vaterland oder Patriarchat werden
       jenen überlassen, denen er sonst alles nimmt.
       
       Louis kämpft trotzdem auch für seinen homophoben Bruder und seine
       rassistische Familie. „Links zu sein bedeutet, gegen Ausgrenzung und
       Diskriminierung zu kämpfen. Egal, wer davon betroffen ist“, sagt er.
       
       Mit selbstbewusster moralischer Erpressung und Geschichten will er der
       Rechten und ihren politischen Lügen entgegentreten. So erzählt er in „Wer
       hat meinen Vater getötet“ von seinem Vater, dessen Körper vom System
       zugrunde gerichtet wurde, sowie in „Im Herzen der Gewalt“ von der
       Stigmatisierung und Zerstörung arabischer Körper durch die Polizei.
       
       Weil er mit 18 noch nichts von antiimperialistischen, antirassistischen
       oder antikapitalistischen Kämpfen wusste, bezeichne Louis sich selbst nicht
       als queer, sondern als LSBT. Für diese Kämpfe engagiert er sich –
       allerdings nicht alle zugleich. Wie aktuell die Frage ist, zeigte sich am
       Wochenende des Besuchs der beiden Franzosen in Berlin: [3][Drei
       verschiedene Prides] stritten darüber, welche Fahnen und Botschaften auf
       die Straße gehören.
       
       ## Mehr Fragen als Antworten
       
       „Allianzen lassen sich nicht verordnen“, sagt Eribon. Aber könnte sich eine
       Allianz zwischen antirassistischen Kämpfen und der neuen Arbeiterklasse mit
       Migrationshintergrund bilden? Vielleicht durch gemeinsame Forderungen, etwa
       nach einer besseren Finanzierung öffentlicher Dienstleistungen und des
       Sozialstaats sowie nach dem Recht auf ein selbstbestimmtes Leben.
       
       Eva von Redecker plädiert für eine Bleibefreiheit – die Freiheit, dort
       leben zu können, wo man möchte – und für ein queeres Leben ohne den Zwang
       zum Umzug in die Großstadt, wie ihn Louis und Eribon erfahren mussten. Sie
       verweist dabei auf den Dyke*March in Magdeburg am 8. August. Linke
       Politiker:innen hätten eines vergessen, folgert Louis: wie man eine
       neue Welt entwirft und neue Möglichkeiten eröffnet.
       
       Eine Philosophin, ein Soziologe und ein Schriftsteller diskutieren darüber,
       wie sich der Faschismus bekämpfen lässt. Am Ende nimmt man mehr Fragen als
       Antworten mit – wie so oft nach linkspolitischen Debatten. Diesmal aber
       bleibt auch Hoffnung.
       
       26 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Gabrielle Meton
       
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