# taz.de -- Frankreich-Rundfahrt der Radprofis: Der unterbezahlte Herr Pogačar
> Waldbrände, Hitze und ein alles dominierender Superstar: Eine
> bemerkenswerte Tour de France geht zu Ende und wirft Fragen nach ihrer
> Zukunft auf.
IMG Bild: Einsam auf höchsten Höhen: Tadej Pogačar auf der vorletzten Etappe der Tour de France
König Tadej I. ist mal wieder zur Krönungszeremonie nach Paris eingefahren.
Allerdings tat [1][Tadej Pogačar] dies auf einem verkürzten Stadtkurs über
lediglich 89 km anstelle der geplanten 133, denn die Feuerwehrleute und
Polizeikräfte, die für die Absperrung der kompletten Strecke nötig wären,
wurden abgezogen zur Waldbrandbekämpfung in Frankreichs Süden.
Die [2][Folgen des Klimawandels] treffen das Land so heftig, dass nicht
einmal der traditionsreichste Sportevent der Grande Nation wie geplant
durchgezogen werden kann. „Klimawandelfolgen“ war das Begleitwort dieser
113. [3][Tour de France]. Denn wegen der Waldbrände und auch der Hitzewelle
mussten Etappen modifiziert werden.
Nicht geändert hingegen hat sich das Sportliche. Tadej Pogačar fuhr einmal
mehr viele Tage in Gelb. Sein Vorsprung auf den Gesamtzweiten Remco
Evenepoel war gewaltig. Er stellte auch neue Streckenrekorde an mythischen
Anstiegen wie Tourmalet und l’Alpe d’Huez auf.
Dass er nicht noch deutlicher gewann, nur fünf Etappensiege vor der Ankunft
in Paris holte und nicht deren sechs wie im Jahre 2024, lag nur daran, dass
er am vorletzten Tag seinen Teamkollegen Isaac Del Toro sicher auf den
dritten Podiumsplatz bugsieren wollte – und deshalb einmal nicht zur
Attacke blies. „Sie sind dicke Kumpels. Und das zeigt doch den Zusammenhalt
im Team“, frohlockte der sportliche Leiter Matxin Fernandez.
## Die hinter Pogačar
Das Frohlocken bei anderen Rennställen fiel wesentlich gedämpfter aus.
Klar, freute sich etwa [4][Red Bull–Bora–hansgrohe]-Teamchef Ralph Denk
riesig über den zweiten Gesamtrang und die zwei Etappensiege seines
Kapitäns Evenepoel.
„Vierter, Dritter, Zweiter – das sind schon tolle Ergebnisse, die ich mit
meinen Mannschaften hier erreicht habe“, spielt Denk auf die
Tourgesamtplatzierungen von Emanuel Buchmann (Vierter 2019), Florian
Lipowitz (Dritter 2025) und jetzt Evenepoel an. „Und vielleicht klappt es
ja doch irgendwann noch mal mit einem Sieg“, blickte er in die Zukunft.
Angesichts der Dominanz von Pogačar muss der Oberbayer aber schon in eine
sehr ferne Zukunft schauen.
Dass der Kampf ums Gelbe Trikot in den letzten Jahren zur Soloshow mutierte
und bar jeder Spannung war, ärgert – bei allem kollegialen Respekt und auch
Bewunderung für das Jahrhunderttalent Pogačar – immer mehr Fahrer. So
wurden am Rande der Tour auch Gedankenspiele angestellt, wie Rennen wieder
weniger vorhersehbar werden können.
Der Australier Jai Hindley denkt an eine Art [5][Drafting-System] wie bei
den US-Mannschaftssportarten. „Das beste U23-Talent geht zum schlechtesten
World-Tour-Team“, meint er. Der Zweitbeste dann zum zweitschlechtesten Team
und immer so weiter.
Als die taz seinen Teamchef Denk damit konfrontiert, atmet der erstmal tief
durch. „Das wäre ein Hardcore-Ansatz. Wenn man jetzt den Lorenzo Finn, den
wir ausgebildet haben und der U19- und U23-Weltmeister wurde, einfach so
auf eine Transferliste schreiben würden, würde mir das in der Seele
wehtun.“ Und man würde so auch dem Rennstall ein selbst entwickeltes
Großtalent rauben, das in diesem Jahr bereits den Nachwuchs-Giro-d’Italia
gewann.
## Mehr Wettkampf!
Aber auch Ralph Denk plädiert für vielfältigeren Wettbewerb. „Mir wäre es
am liebsten, dass relativ viele Mannschaften konkurrenzfähig sind und dass
wir da einen breiten Kampf um die Pokale haben.“
Als eine Möglichkeit, um dort hinzugelangen, schlägt Denk
Budgetbegrenzungen für die Rennställe vor. „Das hat ja bei der Formel 1
relativ gut funktioniert, dass die Teams dort wieder näher zusammenrücken.“
[6][Gehaltsobergrenzen] für die Profis werden auch immer mal genannt. Davon
hält wiederum Radprofi Hindley wenig. Nicht unbedingt aus Eigeninteresse.
„Unsere Gehälter sind gut, sie sind in diesem Sport auch besser, als sie es
jemals waren“, gesteht er ein. Im Vergleich zum Fußball seien sie aber
verschwindend gering. „Und Tadej Pogačar ist für seine Klasse, für das, was
er leistet als einer der besten Ausdauersportler überhaupt, wohl massiv
unterbezahlt.“
Da hat er einen Punkt. Und eigentlich wäre es an der Zeit, nicht den besten
U23-Athleten, sondern Pogačar selbst an das derzeit schlechteste Team – in
diesem Falle [7][Picnic PostNL] mit nur einem einzigen mageren Saisonsieg
und 13 Stunden Rückstand in der Teamwertung der Tour – zu transferieren.
Dann würde der Rennstall vom Knowhow des Rekordathleten profitieren.
Pogačar selbst müsste sich für eigene Siege wieder mehr strecken, als er es
gegenwärtig dank der formidablen Unterstützung seiner exzellenten
UAE-Helferriege tun muss. Dem Slowenen könnte man dies als die ultimative
Herausforderung schmackhaft machen.
26 Jul 2026
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DIR [7] https://www.teampicnicpostnl.com/
## AUTOREN
DIR Tom Mustroph
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