# taz.de -- Opposition in Polen: Kaczyńskis Partei zerlegt sich
> 40 PiS-Abgeordnete verweigern einer Loyalitätserklärung für ihren Chef
> Jarosław Kaczyński die Unterschrift. Jetzt droht ein Rausschmiss aus der
> Partei.
IMG Bild: Keine Freunde mehr: Jarosław Kaczyński und der ehemalige Premierminister Mateusz Morawiecki
Jarosław Kaczyński, Parteichef der rechtsnationalen Oppositionspartei Recht
und Gerechtigkeit (PiS), hat den Machtkampf verloren. Weder ein Ultimatum
an den ehemaligen Premier Mateusz Morawiecki noch die Drohung mit einem
Parteiausschlussverfahren halfen: am Donnerstag verweigerten rund 40
PiS-Abgeordnete dem einst mächtigsten Mann in Polen die Gefolgschaft. Sie
sollten aus der Morawiecki-Gruppierung „Entwicklung plus“ austreten und
eine Loyalitätserklärung abgeben.
Ein dreistündiges Krisengespräch am Freitag brachte keine Wende. Nun soll
am kommenden Dienstag der PiS-Parteirat über den Rauswurf aus der Partei
entscheiden. Genau das aber will Morawiecki. Denn das wäre der Triumph, der
ihm und seinen Anhängern den Start als neue Partei vor und bei den Wahlen
2027 erleichtern würde.
Noch hat Kaczyński einige Tage Zeit, zu verhindern, dass sich die
Abtrünnigen als Helden und Märtyrer gegen eine autoritäre Partei
inszenieren können. Die Gefahr, dass viele Ex-PiS-Wähler dann diesen
„Widerstandskämpfern“ ihre Stimme geben würden, ist groß. Schon jetzt
versucht Kaczyński daher, diese Noch-PiS-Mitglieder des Parteiaustritts zu
beschuldigen. Er sagt: „Jeder Abgeordnete wusste, was die
Nichtunterzeichnung der Loyalitätserklärung für Folgen haben würde.“
Hintergrund der PiS-Parteispaltung ist nicht nur ein Richtungsstreit
innerhalb der Partei, sondern auch die Personalpolitik Kaczyńskis.
Morawiecki will erneut Premier Polens werden. Doch Kaczyński ist von dem
neoliberalen Multimillionär enttäuscht, gegen dessen Minister zahlreiche
Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Machtmissbrauch, Korruption
und andere illegale Machenschaften laufen.
## Tradition des Deutschen-Bashings
Nicht Morawiecki soll also die PiS bei den nächsten Parlamentswahlen zum
Sieg führen und dann auch wieder Premierminister werden, sondern der
Rechtsaußen-Politiker Przemysław Czarnek. Der Professor, der viele Jahre an
der katholischen Universität Lublin lehrte, steht in der PiS-treuen
Tradition des Deutschen-Bashings. Er teilt auch immer wieder heftig gegen
Brüssel und die EU aus und findet, [1][dass Polen jegliche Hilfe an die
Ukraine einstellen und deren Beitritt zur EU verhindern sollte].
Das kommt bei radikal eingestellten Polen gut an. Czarnecki soll
verhindern, dass die PiS-Wähler zu den beiden rechtsextremen Parteien
„Konföderation der Freiheit und Unabhängigkeit“ unter den Nationalisten
Krzysztof Bosak und Slawomir Mentzen und zur „Konföderation der polnischen
Krone“ unter dem Antisemiten und radikalen LGBTQIA+-Gegner Grzegorz Braun
überlaufen.
Noch stellt die PiS mit 188 Abgeordneten die größte Fraktion im Sejm, dem
polnischen Abgeordnetenhaus. Danach folgen die Bürgerkoalition mit 156
Mandaten und deren Koalitionspartner – Bauernpartei, Linke, Zentrum und
Hołownia 2050 mit weiteren 86 Stimmen sowie die beiden Konföderationen und
einige Splitterparteien.
## Weniger Parteien im Sejm
Einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CBOS zufolge würden
im Sejm nach den Wahlen 2027 vier Parteien fehlen, darunter allein drei
Koalitionspartner der Regierungspartei KO – die Bauernpartei (PSL) und die
gespaltene Mitte-rechts-Partei Hołownia 050. Dies würde es der KO, die die
meisten Stimmen bekäme, unmöglich machen, erneut eine Koalition zu bilden.
Die PiS könnte – laut Umfrage – als zweitstärkste Kraft mit den
rechtsextremen Konföderationen zusammengehen und somit nach ihrer
Regierungszeit von 2015 bis 2023 erneut an die Macht kommen. Allerdings
hatte Kaczyński in der Vergangenheit eine solche Koalition strikt
ausgeschlossen. Ein Bündnis mit der in einem Jahr wohl selbständigen
Morawiecki-Partei (bislang „Entwicklung plus“) wäre aufgrund der zu
geringen Sitzzahl im Sejm wohl nicht regierungsfähig.
Die KO hat aber noch eine Chance, da ihr Koalitionspartner PSL
(Bauernpartei) in Umfragen oft wesentlich schlechter abschneidet als bei
den realen Wahlen. Auch die Linke, die zumindest versucht hat, ihre
Wahlversprechen von 2023 einzulösen, aber mit ihren Gesetzesprojekten am
Veto des Präsidenten gescheitert ist, könnte in den letzten Monaten vor den
Wahlen noch aufholen.
26 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Gabriele Lesser
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