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       # taz.de -- Anschlag auf CSD in Berlin: Der Täter war den Behörden gut bekannt
       
       > Abdul B. ist ein verurteilter Straftäter auf Bewährung. Wie konnte er mit
       > einem Van in den Tiergarten rasen? Innenminister: Tätersuche im Fokus.
       
   IMG Bild: Das war vor dem Terroranschlag: Die Polizei errichtet vor dem CSD am Freitag Fahrzeugsperren auf der Straße des 17. Juni
       
       Am Morgen nach der Tat steht der weiße Van immer noch da, wo der Fahrer ihn
       fluchtartig zurückließ: Zerknautscht vor einem Baum an einem der
       Schotterwege, die sich durch den Berliner Tiergarten schlängeln. Ein
       hochgewachsener Polizist markiert mit pinkem Farbspray, welche Route der
       Fahrer genommen hat. Auf rund 350 Metern finden sich immer wieder
       Reifenspuren, teils abgesplitterte Rinde an Bäumen.
       
       Es soll der 21-jährige deutsche Staatsbürger Abdul B. gewesen sein, der
       hier am Samstagabend durch die Menschen am Rande der CSD-Parade gepflügt
       ist. Er soll danach mit einer Machete auf Beistehende losgegangen sein.
       [1][Eine Frau starb noch am Tatort, 29 weitere Menschen wurden teils schwer
       verletzt]. Die mutmaßliche Tatmotivation: islamistischer Hass auf queere
       Menschen und die offene Gesellschaft, die der CSD repräsentiert.
       
       B. und ein möglicher Mittäter befinden sich seit der Tat auf der Flucht,
       die Polizei sucht mit Hochdruck nach ihnen. Noch in der Nacht auf Sonntag
       hatten Beamt:innen eine Wohnung im Berliner Stadtteil Schöneberg
       durchsucht, dort aber niemanden angetroffen. Auch die Eliteeinheit GSG9 der
       Bundespolizei war im Einsatz.
       
       ## Forderungen nach ständiger Präventivhaft
       
       Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) besuchte den Tatort am
       Sonntagnachmittag. Er sprach von einem „islamistischen Terroranschlag“ und
       sagte, man sei noch dabei zu rekonstruieren, wie genau die Tat sich
       abgespielt habe. Politische Forderungen äußerte Dobrindt im Gegensatz zu
       Parteikollegen nicht.
       
       Unions-Vize-Fraktionschef Günter Krings hatte wenige Stunden nach der Tat
       eine dauerhafte Präventivhaft für sogenannte Gefährder vorgeschlagen, die
       allerdings verfassungsrechtlich bedenklich wäre. Dobrindt betonte: „Aktuell
       steht die Suche nach dem Täter im Vordergrund.“ Bundesjustizministerin
       Stefanie Hubig (SPD) kündigte an, die Bundesanwaltschaft werde die
       Ermittlungen an sich ziehen.
       
       Spätestens wenn B. gefasst ist, werden sich die Sicherheitsbehörden und
       wohl auch Dobrindt mit schwierigen Fragen konfrontiert sehen. Wie konnten
       dessen Anschlagspläne unentdeckt bleiben? Warum konnte B. sein Fahrzeug
       scheinbar ungehindert in den Tiergarten fahren? Und wie gelang ihm
       anschließend die Flucht?
       
       ## Ein unübersichtlicher Ort
       
       Zumindest ein Teil der Antwort liegt wohl in den örtlichen Gegebenheiten.
       Der Berliner Tiergarten, der sich hinter dem Brandenburger Tor erstreckt,
       ist bewaldet und stellenweise verwinkelt, zwischen den vielen kleinen Wegen
       zieht sich Gestrüpp. Ein unübersichtlicher Ort, zumal nach Sonnenuntergang.
       Es war wohl nicht allzu schwer, für B. und seinen etwaigen Mittäter, sich
       im allgemeinen Chaos hier an den Einsatzkräften vorbeizubewegen und zu
       verschwinden.
       
       Schwieriger zu erklären, wird es für die Behörden, wieso B. überhaupt ein
       Fahrzeug in den Park lenken könnte. Eigentlich habe es „umfangreiche
       Zufahrtsschutzmaßnahmen“ gegeben, hatte ein Sprecher der Berliner Polizei
       noch am Samstagabend gesagt. Er sprach von tausenden Absperrgittern sowie
       hunderten Betonblöcken, wie sie etwa auch bei Weihnachtsmärkten als
       Sicherheitsvorkehrung üblich sind.
       
       ## Bäume und genug Platz dazwischen
       
       Dort, wo Abdul B. wohl den Wagen von der Straße in den Park steuerte, muss
       sich dennoch eine Lücke aufgetan haben. Am morgen nach der Tat jedenfalls
       war an der Stelle nahe dem Lessing-Denkmal von Betonpollern nichts zu
       sehen. Zwar versperren einige Stahlpflöcke den unmittelbaren Zugang zum
       dahinterliegenden Schotterweg, doch links und rechts davon stehen nur Bäume
       mit genug Platz zwischen ihnen für ein Auto.
       
       Noch unangenehmer für die Sicherheitsbehörden: B. war ihnen seit Monaten
       wegen verschiedener Straftaten bekannt und wurde zuletzt sogar als
       sogenannter islamistischer Gefährder geführt, dem man potenziell
       Gewalttaten zutraute. Im letzten Jahr reiste er offenbar in den Libanon, um
       sich dort dem sogenannten Islamischen Staat (IS) anzuschließen. Als das
       misslang und er nach Deutschland zurückkehrte, wurde er festgenommen und
       wegen Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat zu einer
       Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt.
       
       Seit Mai 2026 war er wieder auf freiem Fuß. Vor einigen Wochen soll B. im
       Netz ein Foto einer Schusswaffe gepostet haben, woraufhin die Polizei seine
       Wohnung durchsuchte, allerdings ohne etwas zu finden. B. blieb frei.
       
       ## Keine Hinweise auf Gewalttat
       
       Thomas Mücke, Geschäftsführer des Violence Prevention Network (VPN),
       bestätigte der taz, seine Organisation sei mit B. in Kontakt gewesen,
       nachdem dieser gerichtlich zu einem Deradikalisierungsprogramm verpflichtet
       wurde. „Überfreundlich, angepasst aber undurchschaubar“, habe B. sich dabei
       gegeben, Anzeichen für psychologische Probleme habe er nicht gezeigt.
       Konkrete Hinweise, dass B. bereit war, Gewalttaten zu begehen, haben es
       genauso wenig gegeben. Der Kontakt des VPN zu ihm sei nicht über die
       sogenannte „clearingphase“ hinausgekommen, in der geprüft werde, ob man
       einen Fall übernehme.
       
       Die Art und Weise des Angriffs, der nun B. zugeschrieben wird, nennt Mücke
       die eines „klassischen islamistischen Anschlags“. Es sei typisch, dass eine
       große Menschenansammlung zum Ziel wurde, ganz besonders eine wie der CSD,
       der Weltoffenheit und Vielfalt symbolisiere. „Täter wollen zeigen: Ihr seid
       nirgendwo sicher.“
       
       Jamuna Oehlmann, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft religiös
       begründeter Extremismus (BAG RelEx), sagte der taz, die islamistische Szene
       in Berlin sei seit Jahren umtriebig. Gleichzeitig sei geografische Nähe für
       Radikalisierungsprozesse zunehmend unerheblich, seitdem das [2][Internet
       zum Hauptschauplatz für islamistische Mobilisierung] geworden sei.
       
       26 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Frederik Eikmanns
       
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