# taz.de -- Anschlag auf Berliner CSD: Ausgenutztes Leid
> Über den Anschlag auf den CSD in Berlin ist noch längst nicht alles klar.
> Und trotzdem wird queeres Leid bereits instrumentalisiert.
IMG Bild: Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin kommt die Community zum Trauern am Brandenburger Tor zusammen
Die Details rund um den Anschlag auf den Berliner CSD sind noch nicht alle
bekannt, die Ermittlungen laufen noch, doch eins ist jetzt schon klar: Das
war eine Attacke auf das queere Leben in Berlin und Deutschland.
[1][Mutmaßlich ist ein islamistischer Attentäter], der in Deutschland
geboren und aufgewachsen ist, in eine Menschengruppe am Tiergarten mit
einem Auto gefahren. Mindestens eine Person ist gestorben, mehrere schweben
noch in Lebensgefahr. Auf sozialen Medien schreiben Rechtsextremisten, dass
sie hier mit dem Attentäter „mitgehen können“. Sie vereint der Hass auf
LGBTQ+, die Dehumanisierung von Queers ist der gemeinsame Nenner von
Islamismus und Rechtsextremismus.
Aufseiten der „Law and Order“-Fraktion in gleich mehreren Parteien sind
wenige Stunden nach dem Attentat schon die Rufe nach mehr und neuen
Sicherheitsreformen laut geworden. Sie fordern härtere Maßnahmen in der
Migrationspolitik, noch mehr Befugnisse und Geld für die
Sicherheitsbehörden. Jetzt soll alles nach der Sommerpause im Bundestag
schnell gehen, heißt es.
Es sind Politiker*innen, die nun das Leid der queeren Community schamlos
für ihre Agenda ausnutzen, während sie die Fördergelder für queere Vereine,
Hilfsprojekte und Kulturangebote kürzen oder dazu zumindest nichts sagen.
[2][Queere Orte in Berlin] und darüber hinaus sind schon seit langer Zeit
von homo- und transfeindlicher Gewalt betroffen, sie müssen schließen, weil
sie die Mieten nicht mehr bezahlen können oder Förderprogramme eingestellt
werden, AfDler attackieren diese Orte mit queerfeindlicher Rhetorik von der
MAGA-Bewegung inspiriert. Rechtsextreme und Islamisten nehmen Bars, Clubs,
Buchhandlungen und [3][andere LGBTQ+-Institutionen ins Visier.]
## Wo bleibt die Sicherheit?
Mehr Polizei bringt bei so viel Polizei, wie wir sie derzeit schon haben,
nicht mehr Sicherheit, was hier unter den Tisch fällt: Gebt den Queers die
Räume, die sie brauchen, damit sie sich um sich selbst kümmern können. Bei
der Aufarbeitung des Anschlags auf den CSD muss das Sicherheitskonzept auf
den Prüfstand, nicht ob die Polizei einfacher unsere Daten abgreifen und
mit KI-Systemen auswerten kann.
Die queere Community, trans Menschen, Schwule, Lesben, Bisexuelle,
Nonbinäre, Dragqueens und -kings und andere queere Stimmen sind die
resilientesten Menschen in unserer Gesellschaft. Sie werden jeden Tag aufs
Neue mit Herausforderungen konfrontiert: Queerfeindlichkeit,
Diskriminierungen in Ämtern, von politischen Parteien, auf dem
Arbeitsmarkt, in der Schule oder im Privaten. Sie werden von Extremisten
bedroht und verfolgt. Doch queere Menschen haben sich eine
Überlebensstrategie antrainiert, sodass ihnen niemand die Freude am Leben
und die Solidarität miteinander nehmen kann. Die meisten im Spektrum von
LGBTQ+ wissen: Wenn wir nicht auf uns selbst aufpassen, dann tut es
niemand. Auch nicht der aufgerüstete Sicherheitsapparat.
Nach diesem Prinzip kümmerten sich die Menschen beim CSD nach der ersten
Eilmeldung und Evakuierungsaufforderung umeinander. Besucher*innen im
Rollstuhl wurden vom Veranstaltungsgelände begleitet, die Menschen warnten
und umarmten sich, jemand bastelte noch schnell ein Plakat, um der
Betroffenen und Opfer des Anschlags zu gedenken.
Niemand kann uns diese Solidarität nehmen. Sie ist und bleibt die Grundlage
für das queere Leben und Überleben.
26 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Mohamed Amjahid
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