# taz.de -- Debatte um Leihmutterschaft: Ethische Übelkeit am Anfang der Schwangerschaft
> Wer in der Debatte um Leihmutterschaft eine schnelle, klare Meinung hat,
> ist verdächtig. Und: VW streicht Stellen und zahlt Dividenden aus.
IMG Bild: In der CDU muss es mal wieder eine Frau richten: Nina Warken soll das Kanzleramt leiten
taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?
Friedrich Küppersbusch: Anschlag auf den CSD in Berlin.
taz: Und was wird besser in dieser?
Küppersbusch: Kanzler Merz spricht von „Anschlag auf unsere Gesellschaft“.
taz: Die Verfassungsrechtlerin Brosius-Gersdorf spricht sich für die
Legalisierung von Leihmutterschaft aus. Sie kritisiert, dass die
Christdemokraten mit dem Verbot Frauen ihr Recht auf Selbstbestimmung
absprechen. Sollte Deutschland seine Regularien überdenken?
Küppersbusch: Fragt Ihr einen Mann. Spaßvögel. Okay, ich tu mal so, als
würde mich eine Freundin um Rat fragen: Brosius-Gersdorf antwortet ihr, die
Studienlage belege eine „normale Entwicklung“ von Leihmütter-Kindern ohne
„körperliche und psychosoziale Auffälligkeiten“. Bei den Perspektiven der
Leihmütter dagegen besteht sie auf dem [1][Selbstbestimmungsrecht der Frau]
über ihren Körper. Mit dem Argument kann man auch Prostitution freigeben,
und Brosius-Gersdorf erklärt auch, sie habe kein feministisches, sondern
ein freiheitliches Verfassungsverständnis. Die „altruistische“
Leihmutterschaft beuge dem „Fortpflanzungstourismus“ vor, dürfe jedoch
nicht dazu führen, dass alle an der Mutter ordentlich Geld verdienen –
außer ihr selbst. Und während aus dieser Debatte niemand ohne ethische
Übelkeit am Anfang der Schwangerschaft rauskommt, übersehen wir die nächste
Dämonie: Eugenik, Zuchtauswahl, Designerbabys. Wer bei diesen Themen eine
schnelle, klare Meinung hat, ist verdächtig.
taz: Was gerade bei VW passiert, spiegelt die Lage der deutschen
Wirtschaft. Es stehen brutale Kürzungsplane auf Kosten der Belegschaft
bevor. Was wäre hier ein besserer Weg?
Küppersbusch: Was in so einen VW alles reinpasst! „Dramatische Einbrüche“,
Kürzungen, Entlassungen, Stilllegungen – und zugleich super Zahlen mit
zweimal tollen Dividenden und Millionen-Prämien für die Vorstände. Das
Raumwunder! Aktionäre und Manager haften nicht für ihre Fehlentscheidungen
– das tut die Belegschaft, die wiederum nichts zu entscheiden hat. Wie war
nochmal die Frage? Die politische Debatte ist verstopft von Jammer-Bossis,
die den Standort, die Steuern, die Löhne und Sozialkosten, die Bürokratie
und Vorschriften erstklassig durchbeschuldigen können, warum es eben leider
nicht besser geht. Und dann kommt Musk und baut seine Tesla-Fabrik in
Brandenburg. Einer von beiden muss bescheuert sein. Ach, komm, warum nicht
beide.
taz: Kanzler Merz macht seinen bisherigen Kanzleramtschef Thorsten Frei zum
Fraktionsvorsitzenden. Was können wir von den Personalrochaden der Union
erwarten?
Küppersbusch: Mit Spahns vorläufigem Abgang und der Einbindung Linnemanns
ins Kabinett wird der lose-Kanone-Anteil von Merz' Aufstellung gemindert.
Nina Warken nutzt die klassisch christdemokratische Frauenförderung, die
immer dann eintritt, wenn echt kein Mann mehr Bock hat oder die Jungs es
vergeigt haben. Merz rückvermerkelt. Hoffentlich sagt's ihm niemand. In
diesem Sinne der Fraktion und Thorsten Frei viel Freude miteinander, er
wäre das erste Bermuda-Dreieck, das wandern kann. Eine exzellente B-Note
für den künstlerischen Eindruck, im Verkehrsministerium performt Merz
souverän „wir warten auf verspätetes Personal aus einem anderen Zug“.
Unterm Strich: Da es kaum schlechter laufen konnte, warum nicht mal besser?
taz: In Iran führen die USA angeblich wegen des dortigen Atomprogramms
Krieg. Ihrem Partner Saudi-Arabien wollen sie jetzt Atomtechnologie zur
Verfügung stellen, die dem Land theoretisch auch die Herstellung von
Atomwaffen ermöglicht. Wird das ein nukleares Wettrüsten im Nahen Osten
provozieren?
Küppersbusch: Das iranische Atomprogramm wurde laut Trump und Hegseth
bereits mehrfach „zu Staub zermahlen“ und inzwischen mehrfach der Staub
nochmal zu Staub. Israel – das offiziell keine Atommacht sein möchte –
könnte dann sicherer sein. Es sei denn, nach der ganzen Volte haben
Saudi-Arabien, Iran und Israel Atomwaffen. Oder sagen wir mal: Wenn das
gute Politik sein soll, wie sähe dann schlechte aus?
taz: Zohran Mamdani hat nach einer Rechtsprüfung bekannt gegeben, dass er
Benjamin Netanjahu nicht festnehmen lassen kann, falls dieser nach New York
kommt. Wie könnte man dem gesuchten Kriegsverbrecher sonst habhaft werden?
Küppersbusch: Mamdani hält sich [2][an Recht und Verträge], stärkt so die
Glaubwürdigkeit der Democrats, wird deshalb Präsidentschaftskandidat, dann
Präsident und führt als solcher die USA in den Internationalen
Strafgerichtshof und seine Abkommen. Naja, oder Netanjahu kommt mal wieder
davon.
taz: Und was macht der RWE?
Küppersbusch: Der Vokabeltest des kleinen Mannes: Rund 10 Neuzugänge,
manche allerdings auch Leihe-Veränderungen. Jedenfalls sitzen die Namen
[3][bis Saisonbeginn].
Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und heißt seit Jahrzehnten
so.
Fragen: Selina Hellfritsch
26 Jul 2026
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