# taz.de -- Finals in Hannover: Die Stadt als Sportplatz
> 24 Sportarten haben bei den Finals 2026 gemeinsam ihre deutschen Meister
> ermittelt. Es geht um mehr Aufmerksamkeit. Für Hannover war es ein
> Erfolg.
IMG Bild: Die Stadt im Bann: ein 3x3-Spiel bei den Finals vor dem Rathaus von Hannover
Geht das? Dass eine ganze Stadt einen leichten, angenehmen Muskelkater
verspürt? Vom Applaudieren, vom Ausprobieren und vom Flanieren zwischen
diversen Sportstätten. Die [1][Finals], ein viertägiges Multisportevent,
haben bei ihrer Austragung in Hannover am vergangenen Wochenende großen
Eindruck und Nachwirkungen hinterlassen.
Es war tatsächlich anstrengend, sich aus 24 Sportarten vom Bogenschießen
bis zum Windsurfen genau das herauszusuchen, was man als Zuschauer hautnah
miterleben wollte. Nach Angaben der Organisatoren wollten bis zum
vergangenen Sonntag rund 480.000 Menschen den Wettstreit der Sportarten in
Hannover miterleben. Die Finals 2026 waren ein riesiger Erfolg. „Ich bin
sehr, sehr begeistert von der überwältigen Resonanz“, sagt [2][Hagen
Boßdorf]. Er ist der Erfinder der Finals und Geschäftsführer der
Gesellschaft, die das Spektakel vermarktet.
Seit ihrer [3][Premiere 2019] in Berlin sind die Finals kontinuierlich
gewachsen und weiterentwickelt worden. ARD und ZDF inszenieren das Event
mithilfe sehr sehenswerter Bilder wie Olympische Spiele in Miniaturformat.
Kleineren Sportarten wie dem Speed-Klettern, dem Rapid Surfen oder Ju-Jutsu
eine große Bühne zu verschaffen, ist lobenswert.
Die rund 4.000 Sportlerinnen und Sportler, die zuletzt in Hannover um Ruhe,
Ehre und nationale Titel gekämpft haben, sind eher selten umjubelte Helden.
„Und die Finals bringen den Sport dorthin, wo die Menschen sind. Das
Konzept ist genial“; findet Reinhard Rawe, Vorstandsvorsitzender des
Landessportbundes Niedersachsen (LSB).
Er kämpft seit Jahren für bessere Bedingungen jener Sportarten, die sich im
Schatten von König Fußball schinden. Der vom LSB verantwortete
[4][Olympiastützpunkt in Hannover] ist in die Jahre gekommen. Er hat seine
Heimat im wahrsten Sinne des Wortes im Schatten des großen Fußballstadions
gleich nebenan.
Die Finals in Hannover haben es auf vorbildliche Weise geschafft, das
Scheinwerferlicht auf etablierte, junge und aufstrebende Sportarten
außerhalb des Profifußballs zu richten. Vor dem Neuen Rathaus haben die
[5][3x3]-Basketballer ihr Können gezeigt. Vor dem Opernhaus sorgten die
Stabhochspringer, Beachvolleyballer und Speed-Kletterer für volle
Zuschauertribünen.
Der Andrang vor allem bei den Darbietungen mit freiem Eintritt war in der
Innenstadt von Hannover zwischenzeitlich so groß, dass die Massen
umgeleitet oder sogar abgewiesen werden mussten. Das Privileg von Hannover,
als Landeshauptstadt von Niedersachsen eine überschaubare Größe mit kurzen
Wegen zu sein, sorgte bei der Austragung der Finals für einen idealen
Rückenwind.
## Sportfest, Stadtfest
Dazu kam der Mut der Organisatoren, mit dem [6][Maschseefest] eine Sause
für das Volk parallel zu den sportlichen Darbietungen zu eröffnen. Trotz
großer Sicherheitsbedenken: Alles ist friedlich geblieben und hat sich
sogar gegenseitig befruchtet. Und fast 700 sogenannte Überfahrtsperren
haben dafür gesorgt, dass Autos und wirre Ideen erfolgreich ausgebremst
werden konnten.
Hannover wird als Gastgeber der Finals in diesen Tagen mit Lob überhäuft.
Kritiker trauen der Stadt, die mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 vor
mittlerweile 20 Jahren das letzte internationale Sportgroßereignis zu Gast
hatte, wenig Begeisterungsfähigkeit zu. Die vier tollen Tage haben das
Gegenteil bewiesen.
Bei den Besuchern der Sportstätten in Stadt und Region ist vor allem gut
angekommen, dass es viele Mitmachangebote gab und dass ein Großteil der
Innenstadt für den Autoverkehr gesperrt war. Wer sich die Finals zu Fuß
oder mit dem Fahrrad erschließen wollte, war deutlich im Vorteil.
## Autofrei mithilfe des Sports
Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) kämpft seit Jahren darum,
eine neue Mobilität in einer möglichst Pkw-freien Innenstadt zu fördern.
Mit den Finals ist es in „seiner“ Stadt gelungen, für frischen Wind und
neue Verkehrsideen zu sorgen. Außerdem möchte der zur Wiederwahl stehende
Politiker die Finals erneut nach Hannover holen.
2030 oder 2031 werden als mögliche Daten für die Rückkehr einer
Veranstaltung nach Hannover genannt, die eine Welle der Euphorie entfacht
hat. 2027 darf Stuttgart die Finals ausrichten und versuchen, den neuen
Zuschauerrekord aus Hannover noch einmal zu toppen.
Es ist all den Aktiven, Verbänden und Vereinen mit einer Präsenz bei den
Finals zu wünschen, dass ihre Sichtbarkeit für mehr Zuspruch und Nachfrage
sorgt. Hannover ist eine Stadt, die mit dem Stadionbad, dem
Olympiastützpunkt, dem Stadion am Maschsee, dem Stadtwald namens Eilenriede
und im Umland mit dem Steinhuder Meer beste Möglichkeiten für
Veranstaltungen sowie Breiten- und Leistungssport bietet.
Aber im Nachgang zu den Finals wird sich die Frage stellen, ob der
ausgelöste Zuschauerboom dem kleinen Sport wirklich mehr Aufmerksamkeit,
Geld und Fördermöglichkeiten bescheren kann. Von den „echten“ Olympischen
Sommerspielen, die alle vier Jahre ausgerichtet werden, lässt sich lernen:
Ruderer, Schwimmer, Turner und Leichtathleten sind dank Olympia immer nur
Helden auf Zeit. Sobald ihr Kampf um Medaillen beendet ist, kehren sie in
das zweite Glied hinter den alles dominierenden Profisport zurück.
In Hannover investieren die wichtigsten Unternehmen vor Ort ihre
Werbebudgets vor allem in Fußball-Zweitligist [7][Hannover 96]. Vielleicht
können die Finals in dieser Hinsicht ein Umdenken anstoßen.
27 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.diefinals.de/
DIR [2] /Hagen-Bossdorf/!1204108/
DIR [3] /Serie-Fuenf-fuer-die-Finals/!5603999
DIR [4] /Coronafaelle-am-Olympiastuetzpunkt/!5760673
DIR [5] /3x3-Basketball/!6110115
DIR [6] /Massen-am-Maschsee/!262227/
DIR [7] /Hannover-96/!t5007656
## AUTOREN
DIR Christian Otto
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