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       # taz.de -- Kunst der Woche: Der Bois d’Arc und die Tränenfänger
       
       > Von der Osage Orange bis zur abgewaschenen Tinte: Zwei Berliner
       > Ausstellungen verbinden Kolonialgeschichte, indigenes Wissen und
       > persische Literatur.
       
   IMG Bild: Ausstellungsansicht Osage Orange
       
       Im Botanischen Garten sind im Herbst auffällig große, bis zu einem Kilo
       schwere Früchte zu bestaunen, die wie runzelige Orangen aussehen. Sie
       gehören zu einem außergewöhnlichen Baum, der Anstoß zu einem seit 2009
       andauernden, [1][multiperspektivischen Langzeitprojekt der Künstlerin Antje
       Majewski] gab.
       
       Osagedorn, Bodark oder Milchorangenbaum genannt, stammt Maclura pomifera
       aus dem Mittleren Westen und Süden der USA. Deshalb stößt man über den Baum
       mit seinem ungewöhnlich harten Holz und seinen vielen Dornen zwangsläufig
       auf die Geschichte von der Eroberung des nordamerikanischen Kontinents, der
       Kolonisierung und [2][Zerstörung der indigenen Kulturen] wie der Natur,
       aber auch auf die Rettungsversuche. Arbeiten von Antje Majewski und Jen
       Tiger, Angehörige der Osage Nation, die nach einer Recherchereise durch die
       Region 2022 entstanden, sind jetzt im Gutshaus Steglitz zu sehen.
       
       Jen Tiger übersetzt ihre Funde zu den inzwischen berühmt-berüchtigten
       Umerziehungsmaßnahmen der Siedler in hyperästhetische, raffinierte
       Text-Bild-Montagen mit den Schülerlisten und Curricula der Mission School
       at Harmony, alten Familienfotos und Porträts in Öl. Auf diese
       nachdenklich-stillen Bilder folgt als Kontrapunkt Antje Majewskis
       malerische Installation des Bodark-Baums (nach dem französischen „bois
       d’arc“, denn die Osage stellten aus dem Holz ihre Jagdbögen her).
       
       ## Die Milchorange gegen den Klimawandel
       
       Ein Großformat des mit Dornen und Früchten beladenen Baums ist raumfüllend
       von kleineren Gemälden der Frucht umstellt. Sofort denkt man an die von
       diesem Baum gebildete Dornenhecke von der der Forstmann Mark Bays in einem
       Video der Künstlerin spricht, in dem sie sich auch mit dem Osage-Ältesten
       und Bogenbauer Raymond Lasley unterhält. In den Gesprächen geht es um die
       schändliche Geschichte der Siedlerbewegung, um die Jagdkultur der Osage,
       wie um die Geschichte der seit den 1920er Jahren entstehenden
       Forstwirtschaft in den Staaten Oklahoma, Kansas, Missouri und Arkansa. Im
       Kampf gegen die Umweltzerstörung und den Klimawandel nimmt die Milchorange,
       die Hitze und Trockenheit gut verträgt, eine zentrale Stellung ein. Wir
       sollten uns unbedingt mit ihr bekannt machen.
       
       Die Auseinandersetzung mit der klassischen persischen Literatur steht im
       Zentrum künstlerischen Arbeit von Masha Aleph. Jowhar bedeutet sowohl
       Essenz als auch Schreibtinte und ist der Titel ihrer zentralen Installation
       im [3][Haus am Kleistpark]. Lange, mit Tinte beschriftete Papierbahnen
       hängen von der Decke und Metallgestell hält mit Tinte gefüllten Gläschen,
       sogenannte Tränenfänger. Teils ist die Schrift kaum mehr sichtbar,
       abgewaschen, wie die Filmarbeit Reanimation (2026) zeigt. Die so gelöste
       Tinte sammelt die Künstlerin in den Gläsern. Zärtliche Care-Arbeit an
       Schrift und Literatur, denn wie sie Ibn Arabi zitiert: „Ich bin die Summe
       aller Worte, die zu mir gesprochen wurden.“
       
       Die Ausstellungen:
       
       Antje Majewski & Jen Tiger, Osage Orange, Galerie Gutshaus Steglitz,
       Schloßstr. 48, Mo-So 10-18 Uhr, bis 18. Oktober
       
       Mahsa Aleph: What is washed returns as language, Haus am Kleistpark,
       Grunewaldstr. 6/7, Di-So 11-18 Uhr, bis 20. September
       
       27 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Die-Zeichen-der-Kupferstecher/!5646980/
   DIR [2] /Roman-ueber-Natives-im-heutigen-Amerika/!6040792
   DIR [3] https://www.hausamkleistpark.de/exhibitions/what-is-washed-returns-as-language-mahsa-aleph-2/
       
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