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       # taz.de -- Fehlverhalten von Lehrkräften: Schüler und Eltern wollen unabhängige Meldestelle
       
       > Mitten in den Ferien platzieren Landesschüler- und Landeselternrat die
       > Forderung nach einer unabhängigen Beschwerdestelle. Gibt es eine
       > Schutzlücke?
       
   IMG Bild: Wenn die Verzweiflung groß ist, könnte eine unabhängige Meldestelle helfen
       
       Nein, schreibt der Vorsitzende des Landesschülerrates Niedersachsen, Otto
       Ellerbrock auf taz-Nachfrage, einen konkreten Anlass habe es jetzt nicht
       gegeben. Aber möglicherweise sollte man auch nicht immer auf schwerwiegende
       Fälle und schlimme Schlagzeilen warten, um etwas zu verbessern.
       
       Mitten in den niedersächsischen Sommerferien hat der Landesschülerrat (LSR)
       zusammen mit dem Landeselternrat (LER) eine Pressemitteilung herausgegeben.
       Man fordere, heißt es darin, eine unabhängige Meldestelle zum Schutz von
       Schülerinnen und Schülern.
       
       Tatsächlich hat es in den vergangenen Monaten und Jahren ja innerhalb und
       außerhalb Niedersachsens immer mal wieder hässliche Schlagzeilen gegeben:
       von fragwürdigen pädagogischen Maßnahmen wie dem Grundschullehrer, [1][der
       Schüler den Kot eines Mitschülers aufsammeln ließ,] bis hin zu [2][massivem
       sexuellem Missbrauch.]
       
       In manchen dieser Fälle stellte sich vor Gericht heraus: Viele haben etwas
       gewusst oder geahnt, aber nicht gehandelt. Der Landesschülerrat macht
       außerdem eine – auf den ersten Blick verblüffende – Analogie auf: Nach dem
       Hinweisgeberschutzgesetz heißt es da, ist seit 2023 jedes Unternehmen oder
       vergleichbare Einrichtung mit mehr als 50 Beschäftigten verpflichtet,
       unabhängige interne Meldestellen zu benennen.
       
       ## Schulinterne Aufarbeitung stößt an Grenzen
       
       Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass Beschäftigte Hinweise auf
       Fehlverhalten loswerden können, ohne Repressionen fürchten zu müssen.
       Ausgerechnet für Schüler gilt das aber nicht – dabei sind sie noch viel
       verwundbarer und stehen in einem noch schwierigeren
       Abhängigkeitsverhältnis.
       
       Die schulinterne Aufarbeitung über [3][Schüler- und Elternvertretungen],
       die Schulleitung, Vertrauenslehrer oder die Schulsozialarbeit stößt da
       schnell an ihre Grenzen, kritisieren LSR und LER. Bei den Betroffenen ist
       die Befürchtung oft groß, dass ihre Identität bekannt wird, sie weiterhin
       von den betreffenden Lehrkräften unterrichtet oder benotet werden oder
       ihnen anderweitige Nachteile entstehen.
       
       Dazu kommt: Für Schulleitungen ist die Versuchung oft groß, die Konflikte
       oberflächlich zu befrieden und möglichst wenig nach außen dringen zu
       lassen, um den Ruf der Schule nicht zu beschädigen. Oft auch in dem
       Bewusstsein, dass man ja weiter miteinander auskommen muss, weil
       kurzfristige disziplinarische Maßnahmen kaum möglich sind.
       
       Die nächste Stufe wäre dann nämlich schon eine Dienstaufsichtsbeschwerde
       beim regionalen Landesamt für Schule und Bildung. Das ist für junge
       Menschen und auch viele Eltern eine riesige Hemmschwelle, kritisiert
       Ellerbrock. Die meisten Schüler wüssten ja nicht einmal, an wen sie sich da
       wenden müssten.
       
       Das niedersächsische Kultusministerium verweist darüber hinaus auf die
       bereits bestehende „Anlaufstelle für Opfer und Fragen sexuellen Missbrauchs
       und Diskriminierung in Schulen und Tageseinrichtungen für Kinder“.
       
       Die ist als Hotline telefonisch oder per Mail erreichbar und bei den
       regionalen Landesämtern für Schule und Bildung angesiedelt. Dort beraten
       Schulpsychologen anonym und vertraulich.
       
       In den Augen des Landesschülersprechers reicht das nicht: „Unsere Forderung
       geht bewusst weiter. Sie soll sämtliche Formen von Fehlverhalten durch
       Schulpersonal erfassen – von verbalen Grenzüberschreitungen und psychischer
       Gewalt über Machtmissbrauch bis hin zu körperlichen Übergriffen und
       sexualisierter Gewalt.“
       
       Außerdem wünsche man sich einen möglichst niedrigschwelligen und
       zeitgemäßen Zugang – also auch digital und mobil. Besonders wichtig sei
       auch der Schutz der Betroffenen vor Konsequenzen.
       
       Das Portal News4teachers verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die
       Erfahrungen mit dem Hinweisgeberschutzgesetz ja erheblich besser seien, als
       von den Arbeitgebern zunächst befürchtet.
       
       Bei der Einführung hatten diese eine Schwemme anonymer Anzeigen und
       Beschwerden befürchtet – tatsächlich zeigten die Erfahrungen bisher, dass
       der Missbrauch gering sei und manche Unternehmen von positiven Effekten
       berichteten, weil das System als Frühwarnsystem fungiere oder sich die
       Fehler- und Compliance-Kultur verbessert habe.
       
       ## Grenzen und Möglichkeiten einer Meldestelle
       
       Ob sich das so ohne Weiteres auf das System Schule übertragen lässt, ist
       allerdings die zweite Frage. Im geschäftlichen Bereich dürfte klarer
       definiert sein, was erlaubt und zulässig ist, als im pädagogischen.
       
       Dazu kommt: Anders als in der Privatwirtschaft sind personalrechtliche oder
       disziplinarische Konsequenzen im deutschen Beamtenrecht eben nur über sehr
       hohe Hürden und lange Verfahren umzusetzen – bis dahin haben betroffene
       Schüler die Schule meist längst verlassen.
       
       Eine [4][unabhängige Meldestelle] könnte helfen, Betroffenen schnell
       Unterstützung und Hilfe zu organisieren, Vorwürfe einzuordnen und zu
       sammeln. Ob sie darüber hinaus wirksam werden könnte, hinge auch davon ab,
       welche Rechte man ihr einräumt, Stellungnahmen anzufordern oder Akten
       einzusehen.
       
       30 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-erstklaessler-mussten-kothaufen-aufsammeln-paedagoge-kritisiert-kollektive-bestrafung-100.html
   DIR [2] /Gewalt-an-Schulen/!6135066
   DIR [3] /Schuelerin-ueber-Mitbestimmung-an-Schulen/!6184881
   DIR [4] /Projekte-gegen-Antifeminismus/!5916210
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Nadine Conti
       
       ## TAGS
       
   DIR Gewalt in der Schule
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