# taz.de -- Kopfverletzungen im Football: Der Schmerz, wenn alle Fragen offen bleiben
> Jordan Devey hat als Profi in der NFL den Superbowl gewonnen. Mit 38
> Jahren beging er Suizid. Seine Eltern vermuten den Sport als Ursache.
IMG Bild: Suizid mit 38 Jahren: Jordan Devey
Als Undrafted Free Agent war Jordan Devey 2013 in die NFL gekommen, die
[1][National Football League]. 44 Spiele für fünf Franchises bestritt er
dort, gewann mit den Patriots einen Super Bowl, war verheiratet, Vater von
vier Kindern, engagierte sich nach seiner Karriere als High-School-Coach –
und nahm sich mit 38 Jahren das Leben.
Der Freitod geschah zwei Tage vor seinem 15. Hochzeitstag. An diesem Tag
zitierte seine Frau Linsey die letzten Worte aus Jordans Abschiedsbrief:
„We'll talk soon.“ Bald werden wir reden.
Deveys Eltern äußerten den Verdacht, ihr Sohn könnte an
[2][chronisch-traumatischer Enzephalopathie] (CTE) gelitten haben – jener
degenerativen Hirnerkrankung, die seit Jahren wie ein Schatten über dem
American Football liegt. „Sicher wissen werden wir das nie. Aufgrund der
Umstände seines Todes werden wir nicht in der Lage sein, dies zu
untersuchen“, sagte Deveys Vater dem Fernsehsender Fox13. Ihr Verdacht
jedoch liegt nahe: In einer Studie des CTE-Zentrums der Boston University
wurde bei 345 von 376 untersuchten Gehirnen ehemaliger NFL-Spieler [3][CTE]
nachgewiesen.
## „Wir wissen es nicht“
Gleichwohl gilt, „Wir wissen es nicht“ dürfte der wichtigste Satz der
Debatte sein. Über kaum eine Krankheit im Sport gibt es zugleich so viel
gesichertes Wissen und so viele offene Fragen. Fest steht: CTE entsteht
durch wiederholte Einwirkung von Kräften auf den Kopf, kann nur nach dem
Tod eindeutig diagnostiziert werden und geht mit Veränderungen des
Tau-Proteins im Gehirn einher. Neuropathologische Studien zeigen, dass vor
allem fortgeschrittene Stadien III und IV mit einer Demenz verbunden sind.
CTE ist zur universellen Erklärung geworden. Ein ehemaliger Footballspieler
entwickelt Depressionen? CTE. Er wird aggressiv? CTE. Er begeht
[4][Suizid]? CTE. Der Reflex ist verständlich, wissenschaftlich aber ist er
kaum noch haltbar. Die Forschung ist inzwischen vorsichtiger geworden: Zwar
ist fortgeschrittene CTE nachweislich mit Demenz verbunden und Demenz geht
häufig mit depressiven Symptomen einher, einen direkten Beleg dafür, dass
CTE Depressionen oder gar Suizid verursacht, gibt es bislang jedoch nicht.
Bekannt ist lediglich, dass Depressionen das spätere Demenzrisiko erhöhen.
Ob sie Ursache, Risikofaktor oder frühes Symptom einer Hirnerkrankung sind,
bleibt unklar. Genau das zeigt der Fall Jordan Devey.
Der erste Footballhelm, der ausdrücklich das Risiko von
Gehirnerschütterungen senken sollte, kam 2002 auf den Markt. Ligaweite
Concussion Protocols, also Untersuchungen zu möglichen
Gehirnerschütterungen, folgten erst 2011. Im selben Jahr nahm sich der
zweimalige Super-Bowl-Sieger [5][Dave Duerson] das Leben. Er schoss sich
bewusst in die Brust, damit sein Gehirn für die CTE-Forschung erhalten
blieb. Sein Fall rückte das Thema endgültig ins öffentliche Bewusstsein.
Dass diese Maßnahmen CTE nicht ganz verhindern können, zeigt der Fall
Marshawn Kneeland. Der Profi der Dallas Cowboys nahm sich im Alter von nur
24 Jahren 2025 das Leben. Zwei Wochen vor Deveys Tod wurde die Diagnose
veröffentlicht: CTE-Stadium I. Kneeland war erst ein Jahr alt, als der
erste Anti-Concussion-Helm vorgestellt wurde. Entscheidend scheint weniger
die einzelne Gehirnerschütterung zu sein als die Summe Tausender kleiner
Kopfkontakte.
Die genannten Suizidfälle können freilich auch andere Ursachen haben.
Kneeland war auf der Flucht vor der Polizei, als er sich erschoss. Duersons
Unternehmen war wenige Jahre vor seinem Suizid insolvent geworden. Bei
Devey weiß man es nicht. CTE bleibt eine schwerwiegende Erkrankung.
Depressionen und Suizidalität sind es ebenso. Doch nicht jede Tragödie
eines ehemaligen Footballspielers lässt sich mit einer einzigen Diagnose
erklären.
Haben Sie suizidale Gedanken? Dann sollten Sie sich unverzüglich ärztliche
und psychotherapeutische Hilfe holen. Bitte wenden Sie sich an die nächste
psychiatrische Klinik oder rufen Sie in akuten Fällen den Notruf an unter
112. Eine Liste mit weiteren Angeboten finden Sie unter
[6][taz.de/suizidgedanken].
28 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /NFL/!t5008347
DIR [2] /Philip-Adams-und-CTE-durch-Sport/!5819295
DIR [3] /Den-Kopf-riskieren/!5481827/
DIR [4] /Suizid/!t5011204
DIR [5] /Brutaler-Sport/!5125686
DIR [6] /Hilfsangebote-bei-suizidalen-Gedanken/!6009869
## AUTOREN
DIR Boris Mayer
## TAGS
DIR American Pie
DIR NFL
DIR American Football
DIR Bad Bunny
DIR Rugby
DIR NFL
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Super Bowl in den USA: Bad Bunny triumphiert, Trump tobt
Latin-Star Bad Bunny liefert beim großen NFL-Finale eine bombastische Show
mit viel politischer Symbolik. US-Präsident Trump ist verärgert.
DIR Hirnschäden im Rugby: Verschwiegenes Leid
Neuseelands Rugbyprofi Shane Christie erlitt etliche Gehirnerschütterungen
mit massiven Folgen. Sein mutmaßlicher Suizid schreckt auf.
DIR Neuer Kopfschutz in der NFL: Immer auf die Kappe
Die NFL startet am Wochenende und erstmals sind Kopfschutz-Hauben im
Einsatz. Donald Trump hält dies für eine Verweichlichung des Männersports.