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       # taz.de -- Linkenpolitiker über Sportförderung: „Wir sind die Einzigen, die ernsthaft Spitzensport wollen“
       
       > Christian Görke, sportpolitischer Sprecher der Linken im Bundestag, über
       > das Aus der Sportministerin. Sport sei mehr als nur Medaillen, sagt er.
       
   IMG Bild: Massiver Sanierungsstau: Ein geschlossenes Freibad in Baden-Württemberg
       
       taz: Herr Görke, Bundeskanzler Merz hat die Sportstaatsministerin
       Schenderlein entlassen. Ist das gut? 
       
       Görke: Lassen Sie es mich so ausdrücken, Frau Schenderlein war für dieses
       Amt aus unserer Sicht nicht die richtige Besetzung. Sie hat mit dem Sport
       gefremdelt und den Eindruck vermittelt, dass sie sich in diesem Politikfeld
       nicht wirklich zu Hause fühlt.
       
       taz: Wird es nun mit jemand anderem besser, unabhängig davon, ob er oder
       sie [1][Nadine Keßler] oder [2][Tino Sorge] oder anders heißt? 
       
       Görke: Natürlich würden wir es begrüßen, wenn jemand kommen würde, der oder
       die über mehr Erfahrung im Sport und Leistungssport verfügt. Aber
       entscheidend ist für uns am Ende nicht der Name, sondern die
       Weichenstellung in der Politik. Der Sport braucht endlich Verlässlichkeit,
       einschließlich einer langfristigen Finanzierung, und eine Politik, die den
       Dreiklang von Schul-, Breiten- und Spitzensport herstellt und damit
       Sportförderung auf Ebene der Kommunen, Länder und des Bundes enger
       verzahnt.
       
       taz: Christiane Schenderlein wird allgemein attestiert, dass sie das, was
       im Koalitionsvertrag steht, abgearbeitet hat, vor allem [3][das
       Sportfördergesetz]. Das kann ihr ja nicht zum Verhängnis geworden sein? 
       
       Görke: Doch, das Sportfördergesetz hat exemplarisch gezeigt, dass Frau
       Schenderlein die eigentlichen Herausforderungen gar nicht verstanden hat.
       
       taz: Kern des Sportfördergesetzes ist eine unabhängige Spitzensportagentur,
       die für die Mittelvergabe zuständig sein soll. 
       
       Görke: Eine Sportagentur löst nicht den eklatanten Sanierungsstau bei
       Schwimm- und Sporthallen auf. Diese Agentur ist zunächst einmal ein
       Ausdruck von Bürokratieaufwuchs mit zig neuen Stellen im höheren Dienst und
       kostet den Steuerzahler mehrere Millionen Euro pro Jahr.
       
       taz: Was wäre besser? 
       
       Görke: Ein wirklicher Paradigmenwechsel wäre gewesen, wenn die
       Sportförderung im Bund zur Pflichtaufgabe wird. Das heißt, Schluss mit
       einer Sportpolitik, die sich von Haushaltsloch zu Haushaltsloch hangelt. Es
       kann doch nicht sein, dass eine einzige Universität in den USA mehr Geld
       für die Spitzensportförderung ausgibt als der Bund mit nur knapp 360
       Millionen Euro. Wie soll man denn so bitte den Weg zurück in die Weltspitze
       finden, wenn die Mehrzahl der Trainerinnen und Trainer nach wie vor unter
       prekären Arbeitsbedingungen leiden, wenn die Hälfte unserer
       Bundeskaderathletinnen und -athleten nicht sozial abgesichert sind und der
       Behindertensport trotz seiner gesellschaftlichen Bedeutung strukturell
       unterfinanziert bleibt.
       
       taz: Wo setzt eine linke Sportpolitik an? 
       
       Görke: Sport ist mehr als nur Medaillen. Er ist Gesundheit,
       gesellschaftlicher Zusammenhalt und steht für Respekt, Gleichheit und
       Völkerverständigung. Für uns beginnt Sportpolitik daher vor Ort. Jedes Kind
       und jeder Erwachsene muss, unabhängig von finanziellen Voraussetzungen,
       Sport treiben können. Deshalb brauchen wir mehr Investitionen in
       Sportstätten, in Schul- und Breitensport. Außerdem brauchen wir, wie
       bereits erwähnt, bessere Arbeitsbedingungen im Spitzensport und soziale
       Absicherungen von Athletinnen und Athleten, unabhängig davon ob olympisch,
       paralympisch oder sonstigen Sport. Sport sollte generell als Staatsziel im
       Grundgesetz verankert werden und bei allen politischen Entscheidungen
       mitgedacht werden.
       
       taz: Spitzensportförderung gehört also für die Linke dazu? 
       
       Görke: Wir wollen den Spitzensport fördern. Ich würde sogar so weit gehen
       zu sagen, dass wir die Einzigen sind, die hierfür ernsthafte Konzepte
       vorgelegt haben. Gute Trainings- und Arbeitsbedingungen, soziale
       Sicherheiten und eine gesicherte Finanzierung sind wichtiger als
       Bürokratieaufwuchs und einseitiger Medaillenfokus.
       
       29 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Nadine_Ke%C3%9Fler
   DIR [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Tino_Sorge
   DIR [3] https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw28-de-spitzensport-1194376
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Martin Krauss
       
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