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       # taz.de -- Psychologie der Hitze: Das Leben ist hart, bei Hitze eins der härtesten
       
       > Hitze hat zahlreiche negative Auswirkungen auf unsere Psyche und unseren
       > Umgang miteinander. Ein paar Fakten – und was schnelle Abhilfe schafft.
       
   IMG Bild: „Ooooooom, so heiß ist es gar nicht, oooooooooom“
       
       Unser Gehirn ist wahrlich kein fröhliches Organ. Sondern vielmehr chronisch
       schlecht gelaunt. Psycholog:innen bezeichnen das als Negativ-Zoom. Wir
       neigen dazu, verstärkt das Negative in unserem Leben zu sehen und Positives
       als selbstverständlich zu betrachten und auszublenden. Begründet wird das
       mit der Evolution. Die Steinzeitmenschen mussten immer auf der Hut sein,
       Gefahren weit vorab erkennen – und in unserer heutigen Zeit ist diese
       Fähigkeit natürlich auch nach wie vor nützlich.
       
       Aber: Hat sich erstmal ein negativer Gedanke in uns eingenistet, stupst er
       all seine negativ eingestellten Freunde an, die zusätzlich ihren Senf dazu
       geben. Unser Gehirn ist nämlich auch ein fauler Hund. Es greift sich immer
       zuerst die Informationen, die es am schnellsten findet, deswegen verknüpfen
       sich negative Emotionen schnell mit anderen negativen. Nach positiveren
       Ansätzen müsste unser Kopf etwas weiter abseits suchen, das ist
       anstrengender, also macht er das nur, wenn wir es ihm befehlen oder ihn
       diesbezüglich trainieren.
       
       In der Praxis könnten die Gedanken folgendermaßen aussehen: Ich habe eine
       schöne Wohnung in Berlin, die gerade noch bezahlbar ist, sie ist hell und
       ruhig, ich schaue aufs Grüne und kann jeden Tag im Schlosspark spazieren
       gehen.
       
       ## Stress bei Temperaturen jenseits der 30 Grad
       
       Stattdessen denkt man aber: Mein Arbeitsweg ist so lang, ich hätte lieber
       noch ein Zimmer mehr, dann könnte ich auch richtig durchlüften, aber in
       Berlin kann man ja [1][keine andere Wohnung finden], die Politik hat es so
       versemmelt, weil sie immer das Kapitalinteresse schützt, deswegen haben wir
       jetzt den Salat mit dem Klimawandel, den [2][schlimmen Waldbränden] und
       dieser Hitze, dann noch überall Kriege und Krisen, Arbeitsmarkt,
       Gesundheitssystem, Rente, alles im Arsch, nichts funktioniert, alles wird
       nur immer noch schlimmer, die AfD regiert vielleicht bald allein in
       Sachsen-Anhalt, was ist das nur für eine Welt? Das Leben darin – es ist so
       hart.
       
       Und ja, Hitze macht es leider härter. Temperaturen jenseits der 30 Grad
       versetzen unseren Körper und unsere Psyche unter Stress. Die Konzentration
       lässt nach, der Schlaf wird schlechter, das sorgt für weniger Konzentration
       und mehr Gereiztheit. Impulskontrolle und Empathievermögen lassen nach.
       Alle sind schlechter gelaunt, das trübt die Stimmung zusätzlich. Kurzum
       könnte man sagen: Wir hassen alle alles und ziehen uns gegenseitig weiter
       runter. Das sorgt auch für eine steigende Aggressivität. Studien zeigen,
       dass es an Hitzetagen neben Verkehrsunfällen auch häufiger zu Gewalttaten
       kommt.
       
       Besonders belastend ist Hitze für Menschen, die ohnehin schon mit
       psychischen und neurologischen Erkrankungen zu kämpfen haben, wie
       Depressionen, bipolare Störungen, Schizophrenie oder Demenz. Eine
       Nebenwirkung von vielen Psychopharmaka ist, dass der Körper sich schlechter
       hohen Temperaturen anpassen kann. Manche Antidepressiva können das
       Schwitzen, also das Kühlen des Körpers, vermindern. Außerdem sollten viele
       Medikamente nicht länger bei Temperaturen über 25 Grad gelagert werden, da
       chemische Reaktionen schneller ablaufen und sich Wirkstoffe zersetzen
       können.
       
       ## Helfen sollen Dankbarkeitstagebücher
       
       Aber natürlich haben negative Emotionen auch ihren Zweck: Sie zeigen uns,
       dass etwas nicht stimmt und wir handeln müssen. Möchte man dennoch sein
       Miesepeter-Gehirn überlisten, empfehlen Psycholog:innen einen simplen
       Trick. Und zwar den Fokus umzulenken, zum Beispiel durch das Schreiben von
       Dankbarkeitstagebüchern. Jeden Abend, oder wenn man gerade akut alles
       scheiße findet, setzt man sich hin und schreibt auf, was am eigenen Leben
       doch so alles gut ist. Wenn man einmal damit anfängt, sieht man schnell,
       das wir uns trotz allem in paradiesischen Zuständen befinden. Zudem
       trainiert man so das Gehirn, schneller auf positive Gedanken zugreifen zu
       können.
       
       Wer kann, sollte sich dieser Tage ein schattiges Plätzchen unter einem Baum
       oder in Wassernähe suchen (beides hat auch eine stressmindernde Wirkung auf
       uns; ich kann da einen gewissen Schlossgarten empfehlen), ein schönes
       Notizbuch zücken – und aufschreiben, wofür man alles dankbar ist. Zwecks
       Inspiration ein paar Beispiele:
       
       Ich habe ein Dach über dem Kopf. Strom, Wasser, Gas zum Kochen, alles da.
       Ich habe zu essen und das Essen ist lecker. Ich habe genug Geld, bekomme
       regelmäßig welches aufs Konto überwiesen. [3][Ich habe einen Job, das
       Arbeitsamt lässt mich in Ruhe]. Ich habe Freunde, Familie, eine gute
       Partnerschaft. Bis auf eine Ausnahme sind alle meine Liebsten am Leben. Ich
       bin gesund und habe keine starken Schmerzen. Ich kann mich bewegen. Ich
       kann sehen und hören. Ich lebe in einem Land, in dem kein Krieg herrscht.
       Ich wohne in Berlin. Die Sonne scheint. Ich trinke Kaffee. Das Leben ist
       schön. Danke, dass ich es habe.
       
       30 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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