# taz.de -- Die Wahrheit: Fränkisch frühstücken
> Ein längerer Trip in diesen so seltsamen wie bierlastigen Teil Bayerns
> offenbart beim morgendlichen Essensstopp das Elend des
> Arbeitskräftemangels.
Nach Franken sind wir wegen des guten Bieres gefahren. Die nötige Grundlage
suchen wir bei einer fränkischen Kettenbäckerei, auf dem Feld mit viel
Parkplatz drumherum. Auf diversen Monitoren heißt es nonstop: „Genießt
Euren Brotmoment“, wohlgesetzt über in HD gefilmte Mehlschleierwolken. Dazu
die Warnung: „Unsere beste Zutat: Zeit.“ Zeit braucht man hier wahrlich.
Die Filiale ist durchtechnisiert, aufgebacken und belegt werden die Brote
jedoch von Menschen, von fränkischen Menschen.
Man kann es einfach halten und wohl direkt nach dem Bezahlen Trunk und
Teilchen mitnehmen, ich aber klicke mir am Terminal Cappuccino, Omelett,
Dinkelbrötchen und – lass dich überraschen – eine „Sansibarbreze“.
Die Reisegesellschaft sitzt bereits. Der Tisch wird beherrscht von einer
Etagere. Dieses „Exquisitfrühstück italienische Verführung“ wird flankiert
von zwei Brötchenkörbchen. Einer der Freunde betrachtet skeptisch einen
Teller Rührei. „Ist das deins?“ Eine Backfachkraft bringt zwei Gläser
Milchkaffee. „Entschuldigen Sie bitte“, sagt sie in einem Fränkisch, das
wärmer ist als jedes Aufbackbrötchen. „Die Spiegeleier kommen gleich, uns
fehlt heute ein Kollege.“
Vom leeren Nebentisch starrt uns ein älteres Paar an wie hartes Brot. Ich
trinke vom Milchkaffee, der wenig mit Kaffee gemein hat, und mache mich ans
Rührei. Zwei Spiegeleier werden gebracht. Ich erinnere an den Cappuccino.
„Kommt gleich. Leider fehlt heute ein Mann.“
Das Paar vom weiterhin leeren Nebentisch guckt grimmig. Unser deutlich
größerer Tisch wird durch die mir bald gebrachte Tasse noch voller.
Inzwischen stehen die beiden Brötchenkörbe auf der Sitzbank. „Und das
Omelett?“, frage ich. „Leider, leider! Uns fehlt ein Kollege.“
## Wo bleibt der Kaffee?
Der Freund mit den Spiegeleiern grummelt: „Mein Kaffee fehlt auch.“ Ich
zeige auf das noch unberührte Glas mit Milchschaum. Er trinkt davon. „Ist
da überhaupt Kaffee drin?“ Nach dem Rührei bin ich im Grunde satt, vermisse
aber noch immer den Großteil meiner Bestellung. Ich frage am Tresen nach.
Eine Frage des Prinzips. „Das Omelett mach ich, sobald die Pfanne frei ist.
Uns fehlt ein Kollege.“
Ich erinnere an meine Breze. Mittlerweile bin ich auf die am meisten
gespannt. „Sansibarbreze“ klingt exotisch. Nach kaiserlichen
Kolonialtruppen mit Repetierbüchsen und sandfarbenen Tropenhelmen. Dann
kommt das Omelett mit zwei Dinkelbrötchen. „Sie müssen entschuldigen, der
fehlende Mann.“
Alle nehmen brav ein Gäbelchen von der lang ersehnten Eierspeise. Nur sind
wir schon reichlich abgefrühstückt. Und so belegen wir die Dinkeldinger mit
dem Eifladen – to go. Im Gehen hole ich mir mein Kolonialistengebäck vom
Tresen ab. „Sie müssen wirklich entschuldigen, uns fehlt heute leider …“
Die Breze ist warm und würzig. Wir teilen sie auf dem Parkplatz und
bekommen Durst. Höchste Zeit für den ersten Biergarten. Die Omelettbrötchen
werden wir später im Kofferraum vergessen.
30 Jul 2026
## AUTOREN
DIR Thilo Bock
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