# taz.de -- Verkauf von WM-Anteilen: Die Gier im Profifußball ist grenzenlos
> Die Pläne von Fifa-Präsident Infantino, Anteile der WM an Investoren zu
> verkaufen, sind desaströs. Die Empörung der Uefa ist sympathisch, aber
> scheinheilig.
IMG Bild: Daumen hoch: Gianni Infantino will mehr Knete für die Fifa
Wann, oh wann stößt die Gier im Fußball an eine Grenze? Aktuell sorgt der
angeschlagene Fifa-Präsident Infantino für neue Empörung: Er möchte
[1][Fifa-Turniere wie die WM teils privatisieren]. Ein Unternehmen soll die
kommerziellen Rechte halten, private Investoren können Anteile erwerben.
Beteiligt ist die US-Investmentbank J.P. Morgan, größter Investor die Firma
Thrive Capital von Joshua Kushner, Bruder des Trump-Schwiegersohns. Die
rivalisierende Uefa schäumt und droht mit Boykott. Das wird spannend. Bloß
sollte niemand an einen Ethikstreit glauben.
Die Fifa-Pläne sind desaströs. Der Verband würde sich noch abhängiger von
US-Überreichen und vom Trump-Clan machen, die handfesten Druck ausüben
könnten. Infantino will mit Geldversprechen seine Macht sichern und
liebäugelt wohl mit einer Nachkarriere als CEO. Mehr Geld, mehr Korruption,
mehr Oligarchie!
Die Wut der Uefa ist also sympathisch, aber natürlich große Heuchelei. Denn
die Pioniere beim Ausverkauf an Privatinvestoren waren die Großklubs der
Uefa. [2][Auch die Deutsche Fußball-Liga wollte so einen Deal]. Es waren
Europas Klubs und die Uefa, die sich von Staatsfonds und Herrschern etwa in
Katar und Saudi-Arabien abhängig machten. Und von US-Geld: Schon 2023 war
ein Drittel der Klubs aus Europas Top-5-Ligen ganz oder teils in US-Besitz.
Europas Fans haben vor allem das Geld vom Golf kritisiert, auch mit
rassistischen Untertönen. Und dabei übersehen, wie US-Überreiche zum
größten Machtblock wurden. Der Uefa indes geht es nicht um Moral, sondern
um die drohende größere Finanzmacht der Fifa mit noch mehr Turnieren und
Infantinos Nähe zu Trump. Ist die Uefa geopolitisch klug, verabschiedet sie
sich endlich aus der Fifa. Oder [3][trommelt viel mutiger zum Widerstand
als bisher].
Aber egal, wie der Showdown ausgeht, ein viel ethischerer Fußball wird in
der kapitalistischen Oligarchie nicht herauskommen. Das Grundproblem ist
nicht, dass die Männer ihre Finanzmacht missbrauchen – sondern, dass sie
sie haben. Wann all das an Grenzen stößt? Viele Menschen vor Ort konnten
sich kein WM-Ticket leisten. Und feierten das Turnier dennoch.
29 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Alina Schwermer
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