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       # taz.de -- Community nach dem Anschlag auf den CSD: Hört den Betroffenen zu!
       
       > Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin steht der Täter im Fokus. Dabei
       > sollte stärker auf die Masse an queerfeindlicher Gewalt hingewiesen
       > werden.
       
   IMG Bild: Halten die Regenbogenfahne fest: Demonstrierende zeigen Flagge gegen Diskriminierung und Queerfeindlichkeit, Wiesbaden am 30.5.2026
       
       Es ist nicht leicht nach einem [1][Anschlag wie dem vom 25.07.] die
       richtigen Worte zu finden. Normalerweise würde ich für eine Woche keine
       News mehr schauen, um nicht sehen zu müssen, wie die breite Front der
       queerfeindlichen Rechten und Konservativen die Amokfahrt eines IS-Anhängers
       und den Tod einer CSD-Teilnehmerin für ihre rassistische und spalterische
       Agitation missbrauchen, während sie über die Masse der Angriffe und
       Anschläge auf CSDs und auf Queers allgemein sowie die strukturellen
       Ursachen dieser Taten schweigt und die Betroffenen queerfeindlicher Gewalt
       nicht zu Wort kommen.
       
       Die [2][Meldestelle Antifeminismus] schätzt die Situation auf Anfrage so
       ein:
       
       „Die Sichtbarkeit, politische Teilhabe und körperliche Selbstbestimmung von
       Frauen und/oder queeren Personen wird seit Jahren zunehmend angegriffen.
       Der Angriff auf den Berliner CSD ist kein isolierter Einzelfall: In den
       letzten beiden Jahren hat die Meldestelle Antifeminismus über 150 Angriffe
       auf CSDs, ihre Teilnehmenden und Organisator*innen dokumentiert. Dies
       macht das organisierte, gewaltvolle Vorgehen gegen queeres Leben deutlich.
       
       Gewalt trifft queere Menschen und Organisationen aber über das ganze Jahr
       hinweg – in Form von Brandstiftungen in queeren Begegnungsorten,
       Gewaltandrohungen gegenüber queeren Politiker*innen und auch
       physischer Gewalt im öffentlichen Raum. Die Angreifenden kommen aus dem
       islamistisch-fundamentalistischen, extrem rechten und
       christlich-fundamentalistischen Spektrum.
       
       Queerfeindlichkeit, Misogynie und Antifeminismus sind die gemeinsamen
       Nenner der unterschiedlichen Akteur*innen und erweisen sich als zentrale
       Mobilisierungselemente – mit großer Anschlussfähigkeit und Verbreitung in
       allen Teilen der Gesellschaft. Der Anschlag auf den Berliner CSD hat
       schmerzlich gezeigt, wie real, gewaltvoll und sogar tödlich queerfeindlich
       motivierter Antifeminismus heute in Deutschland ist“, sagt Palo Quirion,
       Referent*in der Meldestelle Antifeminismus bei Lola für Demokratie e. V.
       
       Getrieben wird die Gewalt von einem globalen queerfeindlichen Diskurs, der
       sich quer durch die Gesellschaft zieht. Sie wird auch von denjenigen
       Politiker*innen vorangetrieben, die jetzt demonstrativ um die offene
       und freie Gesellschaft trauern und die Deutschlandfahne vor dem Bundestag
       auf Halbmast setzen, nachdem sie das Aufhängen der Regenbogenfahne zum CSD
       unterbunden haben.
       
       ## Problematische Rhetorik
       
       Was wir jetzt brauchen, sind keine Tiraden, in denen die Betroffenen
       queerfeindlicher Gewalt für bereits geplante Angriffe auf die Rechte
       muslimischer oder arabischer Minderheiten eingespannt werden.
       
       Diese Rhetorik nimmt den Betroffenen den Raum zu sprechen und eignet sich
       ihre Trauer an. Der Täter hat sein ganzes Leben in Deutschland verbracht,
       konvertierte hier zum sunnitischen Fundamentalismus und radikalisierte sich
       hier. Als er in den Libanon ging, um sich dem Islamischen Staat
       anzuschließen, wurde er dort für die „Anstiftung zu religiösen und
       konfessionellen Konflikten“ verurteilt.
       
       In seiner Heimat Berlin konnte er in die Tat umsetzen, womit er im Libanon
       scheiterte. Zu einem Gerichtsprozess wird es nicht mehr kommen, weil die
       Polizei den Täter unter noch zwingend aufzuklärenden Umständen erschossen
       hat. Es ist Zeit, dass wir beginnen, Verantwortung für unsere Gesellschaft
       zu übernehmen.
       
       Das hieße in diesem Fall, zuallererst eine Diskussion über queerfeindliche
       Gewalt und die Bedürfnisse der Betroffenen dieser Gewalt zu führen, statt
       schadenfroh darüber zu höhnen, dass den „Queers for Palestine“ am Samstag
       eine Lektion erteilt wurde. Gerade haben viele Betroffenen queerfeindlicher
       Gewalt die größte Angst. Nicht bloß vor weiteren Angriffen, sondern auch
       vor den autoritären politischen Reaktionen, die ihren Aufenthaltsstatus
       gefährden oder sie zum Ziel von Polizeigewalt machen.
       
       Das Mindeste wäre, dass Projekte wie die Meldestelle Antifeminismus, die
       durch das Ende von Demokratie Leben akut in ihrer Existenz bedroht sind,
       weiterfinanziert werden.
       
       Das wäre das bare Minimum. Eigentlich bräuchte es aber viel mehr. Dass eine
       andere Welt möglich ist, zeigte am Wochenende die [3][Internationalist
       Queer Pride]. Hier demonstrierten Tausende migrantisierte wie deutsche
       Queers aller Religionen und Atheismen friedlich für die Sicherheit der
       vulnerabelsten Teile unserer Community.
       
       29 Jul 2026
       
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