# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Wieder Tote bei russischen Raketenangriffen auf die Ukraine
> In Polen ist im Zuge der russischen Luftangriffe auf die Ukraine
> vermutlich eine Rakete abgestürzt. Und die ukrainischen Angriffe auf
> Russlands Onlinehändler Wildberries gehen weiter.
IMG Bild: Frauen warten bei einem Haus in Lwiw, dass in der Nacht auf Donnerstag von einer russischen Rakete getroffen wurde
## Unbekanntes Flugobjekt stürzt über Polen ab
In Polen ist während der russischen Luftangriffe auf die Ukraine ein
Flugobjekt abgestürzt. Die Regierung in Warschau geht von einer russischen
Rakete aus. „Nach Ansicht von Experten der Armee deuten die meisten Spuren,
darunter auch die gefundenen Trümmerteile, auf einen Marschflugkörper vom
Typ CH-101“, sagte Regierungschef Donald Tusk am Absturzort. Er wolle aber
dem Ergebnis der laufenden Untersuchungen nicht vorgreifen.
Am frühen Morgen war während schwerer russischer Luftangriffe auf die
Ukraine ein Flugobjekt in Polens Luftraum eingedrungen und abgestürzt. Der
Absturzort nahe dem Ort Tarnawa Kolonia liegt südlich von Lublin und 90
Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. Das polnische Fernsehen
zeigte Bilder von einem riesigen Krater in einem Feld, Anwohner berichteten
von einem lauten Knall. Verletzt wurde niemand.
Tusk sagte weiter, eine Rakete vom Typ CH-101 sei in der Lage, große
Sprengladungen zu tragen. „Es ist wahrscheinlich, dass es hier zu einer
Explosion gekommen ist.“ Der beim Einschlag entstandene Krater habe einen
Durchmesser von zehn Metern und eine Tiefe von fünf Metern. Tusk betonte,
es gebe keinen Grund für die Annahme, dass Polen gezielt angegriffen worden
sei.
General Ireneusz Nowak sagte, bereits vor Mitternacht habe die polnische
Luftwaffe Anzeichen für einen bevorstehenden russischen Angriff auf die
Ukraine bemerkt. Später ließ man Kampfjets vom Typ F-16 aufsteigen.
Der General sagte weiter, als das Flugobjekt im polnischen Luftraum
entdeckt wurde, habe der Pilot eines F-16 den Befehl bekommen, in Richtung
dieses Objekts zu fliegen, um es abzufangen und zu identifizieren. „Ich war
die ganze Zeit bereit, den Befehl zum Abschuss zu geben.“ Am Ende habe sich
der Kampfjetpilot direkt über der Rakete befunden, als diese auf dem Boden
aufschlug. (dpa)
## Mindestens 8 Tote in der Ukraine bei russischen Angriffen
Bei russischen Angriffen auf die Ukraine sind nach ukrainischen Angaben
mindestens acht Menschen getötet worden. Bei einem Raketenangriff in der
Nähe der zentral gelegenen Stadt Krywyj Rih seien vier Erwachsene und zwei
Mädchen getötet worden, erklärten die örtlichen Behörden. Acht weitere
Menschen seien verletzt worden.
Die Behörden in der östlichen Region Poltawa teilten derweil mit, dass bei
einem Angriff auf ein Lagerhaus ein Mensch getötet worden sei. In Kiew
wurde nach Angaben der örtlichen Militärverwaltung ebenfalls ein Mensch
getötet, zwei weitere seien verletzt worden. Bei Angriffen auf die
westukrainische Stadt Lwiw wurden 15 Menschen verletzt.
Zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einem drohenden „massiven“
russischen Angriff gewarnt. „Die Russen haben vor einigen Tagen einen
massiven Angriff vorbereitet, und es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit,
dass der Angriff heute Nacht ausgeführt wird“, schrieb Selenskyj am
Mittwochabend im Kurzbotschaftendienst X. [1][Er rief die USA und westliche
Verbündete der Ukraine dazu auf, Patriot-Luftabwehrraketen zu liefern.]
Kyjiw benötigt diese zur Abwehr von russischen Angriffen mit ballistischen
Raketen. (afp)
## Erneuter ukrainischer Angriff auf russischen Online-Händler
Erneut hat das ukrainische Militär [2][den russischen Onlinehändler
Wildberries] angegriffen. Durch Drohnenbeschuss wurde in der Nacht ein
großes Lager des Unternehmens in der russischen Region Pensa in Brand
gesetzt, wie der Gouverneur der Region, Oleg Melnitschenko, nach Angaben
der staatlichen Agentur Tass mitteilte. Dabei habe es mindestens einen
Verletzten gegeben. Rund 200 Mitarbeiter seien evakuiert worden.
Seit diesem Monat attackiert die Ukraine immer wieder Logistikzentren des
größten russischen Versandhauses. Die symbolträchtigen und weithin
sichtbaren Angriffe auf Wildberries verursachen große Schäden. Der
ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft der Firma vor, mit Material
zu handeln, das für den 2022 begonnenen Angriffskrieg gegen sein Land
verwendet werde. Der Kreml weist das kategorisch zurück.
Ein Ziel der ukrainischen Führung scheint aber auch zu sein, Unruhe in der
Mittelschicht russischer Städte zu schüren, die gern online einkauft.
Infolge der Angriffe und dadurch gestörter Lieferketten bekommt sie die
Kriegsfolgen nun stärker zu spüren als zuvor. Bereits in der Nacht zu
Mittwoch hatte die Ukraine in der russischen Stadt Rjasan ein großes
Logistikzentrum von Wildberries und eine Raffinerie angegriffen. Das Lager
in Rjasan war nach Medienangaben bereits das elfte Logistikzentrum von
Wildberries, das ukrainischen Truppen in weniger als zwei Wochen
angegriffen haben. Mindestens acht davon sind mindestens teilweise
ausgebrannt. Nach den Angriffen auf Raffinerien stellt Kyjiw damit erneut
die Hilflosigkeit der russischen Flugabwehr zur Schau. (dpa)
## Ukrainischer Kampfjet F-16 im Luftkampf abgestürzt
Die Ukraine hat einen der für sie wertvollen westlichen Kampfjets vom Typ
F-16 bei der Verteidigung ihres Luftraums verloren. Die Maschine sei
abgestürzt, als sie feindliche Flugobjekte abfing, teilte die ukrainische
Luftwaffe mit. „Vorläufigen Informationen nach gab es eine Notfallsituation
an Bord, der Pilot musste sich per Schleudersitz retten“, heißt es in der
Mitteilung. Der Pilot ist demnach wohlauf, am Boden gab es keine Schäden
und Opfer.
Die Ukraine hat nach langem Werben bei westlichen Partnern 2024 die ersten
Kampfjets des Typs F-16 erhalten. Die Flugzeuge werden vor allem bei der
Abwehr russischer Drohnen- und Raketenangriffe eingesetzt. Mehrere
Maschinen sind bei den riskanten Manövern bereits abgestürzt, die erste
kurz nach Beginn der Lieferungen. Der Verlust jeder einzelnen F-16 wiegt
für Kyjiw schwer, da die Ukraine sie nicht selbst produzieren kann und bis
heute noch nicht alle der rund 80 versprochenen Maschinen in der Ukraine
eingetroffen sind. (dpa)
## Chef von russischem Drohnenhersteller angeschossen
Der Geschäftsführer eines russischen Drohnenherstellers ist bei einem
Schusswaffenangriff verletzt worden. Andrei Tscheresow sei in der Nacht zum
Mittwoch auf dem Heimweg von der Arbeit von einem unbekannten Angreifer
attackiert worden, berichtete die russische Zeitung Iswestija. Die
Staatsanwaltschaft nahm nach dem Vorfall in Tula rund 200 Kilomeer südlich
von Moskau Ermittlungen wegen versuchten Mordes auf.
Informationen über Tscheresows Zustand wurden nicht veröffentlicht. Nach
Angaben des örtlichen Ermittlungskomitees wurde er ins Krankenhaus
gebracht. Es liefen Ermittlungen, um die Täter zu Identifizieren und die
Umstände des Vorfalls aufzuklären, erklärte das Komitee.
Das von Tscheresow geleitete und gegründete Unternehmen Russian Air
Transport Laboratory ist vor allem für die Entwicklung von
Owod-Kampfdrohnen bekannt. Die russische Armee setzt diese Drohnen in ihrem
Krieg gegen die Ukraine ein. Seit Beginn der russischen Offensive vor fast
viereinhalb Jahren in der Ukraine hat Kiew verschiedene Vertreter des
russischen Verteidigungs- und Militärsektors ins Visier genommen. Die
ukrainische Regierung äußerte sich zunächst nicht zu dem jüngsten Vorfall.
(afp)
## Ukraine zieht gegen Rückkehr Russlands zu Olympia vor Gericht
Die Ukraine ist gegen die Aufhebung von Beschränkungen gegen russische
Sportler durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) vor Gericht
gezogen. Das Nationale Olympische Komitee der Ukraine erklärte am Mittwoch,
beim Sportgerichtshof CAS Berufung gegen die IOC-Entscheidung von Anfang
Juli eingelegt zu haben.
Das Vorgehen des IOC verstoße gegen die Olympische Charta, sei voreilig und
ziehe nicht die Fakten in Betracht, die zur Suspendierung geführt hatten,
hieß es zur Begründung.
Russlands Nationales Olympisches Komitee war im Herbst 2023 suspendiert
worden, nachdem es Sportorganisationen in von Russland für annektiert
erklärten Gebieten der Ukraine aufgenommen hatte. Am vergangenen 7. Juli –
mehr als vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die
Ukraine – hob das IOC diese Suspendierung dann wieder auf.
Zur Begründung erklärte das IOC, das Russische Olympische Komitee habe
bestätigt, dass es in den für annektiert erklärten Gebieten keinerlei
Aktivitäten ausführe und ausführen werde. Das IOC werde dies genau
überwachen.
Im Zuge der Entscheidung von Anfang Juli sollen sich russische Athletinnen
und Athleten auch in Mannschaftssportarten für die Olympischen Spiele 2028
in Los Angeles qualifizieren können. Ob Russland in Los Angeles mit seiner
Fahne und Nationalhymne antreten darf, ist noch nicht entschieden.
Wegen eines Dopingskandals durften russische Athleten bereits bei den
Olympischen Winterspielen von 2018 nur unter der olympischen Flagge
antreten, nicht unter der russischen. Bei den Sommerspielen 2021 und den
Winterspielen 2022 traten russische Teilnehmer dann unter der Bezeichnung
„ROC“ für „Russisches Olympisches Komitee“ an.
Nach Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine im Februar 2022
empfahl das IOC den Ausschluss russischer und belarussischer Sportler.
Später wurden sie schrittweise unter neutraler Flagge und strengen Auflagen
wieder zugelassen, allerdings nicht in Mannschaftswettbewerben. Die
Beschränkungen gegen den russischen Verbündeten Belarus wurden dann im Mai
vollständig aufgehoben. Mehrere Sportverbände haben ihre Beschränkungen
gegen Athleten aus Russland und Belarus bereits aufgehoben. Der
Gymnastikverband World Gymnastics vollzog diesen Schritt im Mai, der
europäische Fechtverband ließ russische Athleten im Juni wieder zu. (afp)
30 Jul 2026
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