URI: 
       # taz.de -- Zu rechts für lokale Spitzenämter: Mehrere AfD-Bewerber von Kommunalwahl ausgeschlossen
       
       > Mehrere AfD-Politiker dürfen in Niedersachsen nicht zur Kommunalwahl
       > antreten. Die Wahlausschüsse haben Zweifel an ihrer Verfassungstreue.
       
   IMG Bild: Nicht zugelassen: Stephan Bothe, Landtagsabgeordneter und stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Niedersachsen
       
       dpa/taz | Mehrere AfD-Politiker sind in Niedersachsen von Wahlen zu
       kommunalen Spitzenämtern ausgeschlossen worden. Nach den letzten
       Entscheidungen der Wahlausschüsse dürfen mindestens vier Bewerber der
       Partei nicht bei der Kommunalwahl am 13. September antreten. Weitere
       geprüfte AfD-Bewerber wurden zugelassen, andere gar nicht erst geprüft.
       
       Die Entscheidungen mussten bis gestern fallen. An diesem Tag endete die
       gesetzliche Frist für die Zulassung der Bewerber und Wahlvorschläge.
       
       Am Mittwoch lehnte der Wahlausschuss des Landkreises Lüneburg den
       niedersächsischen AfD-Vizechef Stephan Bothe als Kandidaten für die
       Landratswahl mit 6 zu 1 Stimmen ab. Die AfD wird [1][in Niedersachsen vom
       Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft].
       
       „Die Mitglieder des Kreiswahlausschusses haben unter sorgfältiger und
       vertiefter Abwägung aller maßgeblicher Aspekte des konkreten Einzelfalls
       weisungsungebunden, eigenständig und parteineutral in öffentlicher Sitzung
       entschieden, den Wahlvorschlag nicht zuzulassen“, teilte der Landkreis mit.
       
       Bürgermeister, Oberbürgermeister und Landräte werden nach einer Wahl Beamte
       auf Zeit. Sie müssen deshalb die Gewähr bieten, jederzeit für die
       freiheitliche demokratische Grundordnung einzutreten. Bei Zweifeln
       [2][können die Wahlausschüsse die Kommunalaufsicht einschalten]. Diese darf
       auch Erkenntnisse des Verfassungsschutzes einholen. Die örtlichen Gremien
       entscheiden jedoch eigenständig.
       
       ## Bothe: Werden Entscheidung nicht akzeptieren
       
       Bothe erklärte in einer Stellungnahme, die Entscheidung nicht
       nachvollziehen zu können. Er kritisierte auch eine Stellungnahme der
       Kommunalaufsichtsbehörde – im Fall des Landkreises Lüneburg ist das
       Innenministerium zuständig –, die dem Wahlausschuss zur Beratung vorlag.
       
       „Anhand der vorliegenden Unterlagen wurde offensichtlich nicht einmal
       geprüft, ob ich die Verfassung tatsächlich achte. Hier wurde geprüft, ob
       ich als innenpolitischer Sprecher der Regierungslinie gefalle“, sagte Bothe
       in einer Mitteilung seiner Partei. „Die Kommunalaufsicht und der
       Verfassungsschutz machen aus der bloßen Mitgliedschaft in einer legalen,
       nicht verbotenen Partei und aus der Wahrnehmung demokratisch gewählter
       Ämter einen Ausschlussgrund.“
       
       Der AfD-Politiker betonte weiter, er und die AfD stünden „uneingeschränkt
       auf dem Boden des Grundgesetzes“. „Was hier geschieht, ist ein
       Hintertür-Verbot durch Behörden und Wahlausschüsse. Das werden wir nicht
       akzeptieren.“
       
       ## Weitere Entscheidungen am letzten Tag gefallen
       
       Wahlausschüsse entschieden zudem über die Bürgermeisterkandidaten Adrian
       Maxhuni in der Samtgemeinde Bersenbrück, Florian Meyer in der Samtgemeinde
       Fürstenau (beide Landkreis Osnabrück) und Reinhild Goes in
       Nörten-Hardenberg (Landkreis Northeim).
       
       Maxhuni wurde vom Wahlausschuss in Bersenbrück mit 4 zu 2 Stimmen
       zugelassen, es gab zudem 1 Enthaltung. Auch der AfD-Bewerber Florian Meyer
       darf zur Wahl des Samtgemeindebürgermeisters in Fürstenau antreten. Der
       Wahlausschuss stimmte mit 4 zu 3 Stimmen für die Zulassung, wie eine
       Gemeindesprecherin sagte. Wie der NDR und das Göttinger Tageblatt zudem
       übereinstimmend berichteten, wurde in Nörten-Hardenberg auch Reinhild Goes
       zugelassen. Eine offizielle Mitteilung der Kommune gab es zunächst nicht.
       
       Neben Bothe waren zuvor bereits die AfD-Politiker Martin Sichert, Thorsten
       Moriße und Justin Vogel nicht zugelassen worden. Sichert [3][darf nicht für
       das Amt des Landrats im Landkreis Friesland kandidieren], Moriße nicht für
       das Oberbürgermeisteramt in Wilhelmshaven und Vogel nicht für das
       Bürgermeisteramt in Herzberg am Harz.
       
       Auch der parteilose Eugen Nazarenus wurde in Weener in Ostfriesland wegen
       einer Nähe zur [4][„Reichsbürger“-Szene] von der Bürgermeisterwahl
       ausgeschlossen. Andere AfD-Bewerber wurden dagegen zugelassen, darunter
       Jessica Schülke in Hannover, Robert Preuß in Gifhorn und Martina
       Hartschwager in der Samtgemeinde Artland.
       
       Die AfD wirft Behörden und Wahlausschüssen ein politisch motiviertes
       Vorgehen vor und kündigte rechtliche Schritte an. Entscheidungen über
       Nichtzulassungen können grundsätzlich erst nach der Wahl in einem
       Wahlprüfungsverfahren angegriffen werden.
       
       30 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Verfassungsschutz-darf-AfD-Niedersachsen-vorerst-hochstufen/!6183384
   DIR [2] /Buergermeisterwahl-in-Ludwigshafen/!6106431
   DIR [3] /Ausschluss-eines-AfD-Kandidaten/!6198097
   DIR [4] /Reichsbuerger-Prozess-in-Frankfurt/!6200054
       
       ## TAGS
       
   DIR Schwerpunkt AfD
   DIR AfD Niedersachsen
   DIR Schwerpunkt Grundgesetz
   DIR Verfassungsschutz
   DIR Beamte
   DIR Social-Auswahl
   DIR Schwerpunkt AfD
   DIR Zivilgesellschaft
   DIR AfD Brandenburg
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Protest gegen die AfD: „Wir haben kein Vertrauen in eine vermeintliche Brandmauer“
       
       Am Freitag startet die AfD ihren Wahlkampf für Marzahn-Hellersdorf. Antifas
       halten mit einem Konzert dagegen – und sagen auch SPD und CDU den Kampf an.
       
   DIR Antifaschismus in Mecklenburg-Vorpommern: Cool bleiben
       
       Michael Steiger leitet den Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern. Der
       Greifswalder kämpft vor Ort seit drei Jahrzehnten gegen Rechtsextremismus.
       
   DIR Kommunalwahl mit besonderem Personal: Die CDU-Kandidatin mit innigen AfD-Verbindungen
       
       Frauke Prenzler kandidiert in Buchholz für die CDU. In Hamburg sei sie
       Beamtin, informiert sie. Dass sie für die AfD gejobbt hat, bestreitet sie.