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       # taz.de -- Streit um Investorendeal der Fifa: Ein Riss geht durch die Fußballwelt
       
       > Die Uefa droht mit einem WM-Boykott, sollte die Fifa Investoren ins Boot
       > holen. Sie fordert die sofortige Rücknahme des vorbereiteten
       > Milliardendeals.
       
   IMG Bild: Ende des Spiels: Uefa-Chef Aleksander Čeferin und Fifa-Boss Gianni Infantino
       
       Schon am Dienstag hatte die Uefa deutlich gemacht, dass sie nichts von den
       Investorenplänen hält. Bevor die Fifa selbst über ihr Vorhaben informiert
       hat, bis zu 30 Prozent der Anteile an eine neu zu gründende Gesellschaft
       namens Fifa Forward Enterprise (FFE) zu veräußern, waren die Pläne durch
       Medien publik gemacht worden. Die Uefa zeigte sich schon da schockiert.
       Zwei Tage später riskiert sie den Bruch der internationalen
       Fußballbeziehungen.
       
       Was nun am 30. Juli 2026 geschehen ist, ist ein beispielloser Vorgang in
       der Fußballgeschichte. Die Entscheidung der Europäischen Fußball-Union
       Uefa, die nächsten beiden WM-Turniere zu boykottieren, [1][sollte die Fifa
       ihre Investorenpläne weiter vorantreiben], ist mit dem Wort „Beben“ ganz
       gut beschrieben.
       
       Am Donnerstagnachmittag hatte Uefa-Präsident Aleksander Čeferin die 55
       Mitgliedsverbände zusammengerufen, um sie auf eine Position zu den Plänen
       der Fifa, Investoren an der Ausrichtung von WM-Turnieren zu beteiligen,
       einzuschwören. Doch die machten deutlich klar: Nicht mit uns! So lautet die
       Entscheidung der Uefa.
       
       Der europäische Kontinentalverband ist sich dabei seiner Macht im
       internationalen Fußballgefüge bewusst. Bei der Männer-WM, die gerade erst
       in den USA zu Ende gegangen ist, waren sechs der acht letzten Teams – auch
       Weltmeister Spanien – aus Europa, und damit teil der Uefa. Der Wert des
       Produkts, das die Fifa privaten Investoren anbieten möchte, sinkt nun mit
       dem Ausstieg der Uefa-Mitgliedsverbände massiv.
       
       Wie ernst es die Uefa ihrer Drohung meint, steht im [2][Statement], das
       nach dem Treffen der Mitgliegsverbände online veröffentlicht wurde. „Wir
       lehnen den Vorschlag der Fifa, Eigentumsanteile an der Weltmeisterschaft
       und anderen Fifa-Wettbewerben an private Investoren zu übertragen,
       einstimmig und unmissverständlich ab“, heißt es da.
       
       ## Intransparentes Fifa-Vorgehen
       
       Betroffen von dem nun angedrohten WM-Boykott wäre die nächste
       Weltmeisterschaften der Frauen, die 2027 in Brasilien stattfinden soll,
       sowie die nächste Männer-WM mit den Hauptgastgeberländern Marokko, Spanien
       und Portugal in vier Jahren.
       
       Der Ärger über die Fifapläne in Fußballeuropa war auch deshalb so groß,
       weil sich nur zwei Tage nach Bekanntwerden der Pläne herausgestellt hat,
       dass die Fifa bereits alle wichtigen Verhandlungen mit möglichen Investoren
       geführt hat, ohne auch nur einen einzigen Mitgliedsverband darüber zu
       informieren.
       
       Von einem Investitionsvolumen von 10 Milliarden US-Dollar ist nun die Rede.
       Eine Kapitalgesellschaft, die Joshua Kushner, der Bruder von Donald Trumps
       Schwiegersohn Jared Kushner gegründet hatte, sollte das Geld auftreiben,
       das über die Investmentbank J.P. Morgen an die Fifa fließen sollte.
       
       Die Fifa warb für ihre Pläne mit Zahlungen an die Verbände in Höhe von bis
       zu 40 Millionen US-Dollar und kündigte an, dass erste Zahlungen schon in
       100 Tagen fließen könnten. Damit will Fifa-Präsident Infantino die Mehrheit
       der 211 Fifa-Verbände auf seine Seite ziehen. Bis zum 19. September 2026
       sollen sie sich entscheiden, heißt es in einem Schreiben Infantinos an die
       Verbände.
       
       ## Der Fußballfrieden ist vorerst aufgekündigt
       
       [3][Auch wegen dieses Ultimatums] und wegen des für viele kleinere Verbände
       reizvollen finanziellen Angebots musste die Uefa schnell handeln. Das hat
       sie nun getan und den ohnehin brüchigen Fußballfrieden zwischen
       Fußballeuropa und der Fifa erst einmal aufgekündigt. Das Statement der
       Uefa, mit dem sie der Fifa den Fehdehandschuh zugeworfen hat, liest sich
       dabei wie ein Manifest von kommerzkritischen Fußballfans. „Die
       Weltmeisterschaft darf nicht als Anlageprodukt behandelt werden“, steht da
       zum Beispiel. Oder: „Die Fifa-Fußball-Weltmeisterschaft gehört dem
       Fußball.“
       
       „Mit aller Entschlossenheit“ wolle sich die Uefa den Investorenplänen
       widersetzen, heißt es nun. Viel eindeutiger lässt sich eine Haltung kaum.
       Der angedrohte Boykott steht nach der Videoschalte von Donnerstag jetzt im
       Raum.
       
       Im Uefa-Statement liest sich das so: „Als Ergebnis der heutigen Diskussion
       werden keine Uefa-Nationalmannschaften an Fifa-Wettbewerben teilnehmen,
       solange diese Vorschläge im Raum stehen – es sei denn, der Vorschlag wird
       vollständig verworfen und es werden verbindliche Zusagen gemacht, dass die
       Fifa ihre Führungsstrukturen oder Wettbewerbe niemals wieder für privates
       Eigentum öffnen wird.“
       
       Nun liegt der Ball, wie es so schön heißt, bei der Fifa. Spannender, als es
       das WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien war, ist es jetzt schon.
       
       30 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Investoren-im-Fussball/!6199999
   DIR [2] https://www.uefa.com/news-media/news/02a7-213a92896eb0-54dfbf454e3b-1000--statement-on-behalf-of-uefa-and-its-55-national-associations/
   DIR [3] /Investorendeal-der-Fifa/!6200317
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Rüttenauer
       
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