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       # taz.de -- Aus für E-Auto-Zuschüsse: Union will Förderung bis Jahresende
       
       > Die Opposition fordert Vertrauensschutz für Käufer:innen. Auch die SPD
       > will Übergangsfristen statt des abrupten Endes des Umweltbonus.
       
   IMG Bild: E-Auto an der Ladesäule
       
       Berlin taz | Der Ärger über [1][das schnelle Aus für Förderung von E-Autos]
       hält an. Die oppositionelle Union fordert eine Übergangsfrist bis Ende des
       Jahres. Auch in der SPD-Bundestagsfraktion gibt es Unmut über den
       überraschenden Stopp des sogenannten Umweltbonus.
       
       Am Samstagvormittag hatte das Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt, dass
       ab dem folgenden Montag keine Anträge auf Förderung eines E-Autos mehr
       gestellt werden können. Hintergrund der Entscheidung von
       Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist das [2][Urteil des
       Bundesverfassungsgerichts, durch das dem Klima- und Transformationsfonds]
       60 Milliarden Euro entzogen wurden. Deshalb wurde der Umweltbonus früher
       als geplant abgeschafft.
       
       Bereits bewilligte Anträge sollen ausgezahlt werden. Zuletzt gingen nach
       Angaben der Bundesregierung beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und
       Ausfuhrkontrolle (bafa) pro Tag 1.400 Anträge mit einem Fördervolumen von
       4.000 Euro ein. Das Problem: Den Antrag auf einen Zuschuss konnten
       Bürger:innen erst stellen, wenn ihr E-Auto zugelassen war. Viele
       Käufer:innen müssen Monate auf ihr Elektroauto warten, weil die
       Hersteller nicht schnell liefern können. Es werden also etliche
       Käufer:innen, die in der Erwartung der Förderung ein Elektroauto bestellt
       haben, leer ausgehen. Das sorgt für große öffentliche Aufregung.
       
       Die oppositionelle Union im Bundestag ist ebenfalls empört. „Die Regierung
       muss von dieser Nacht-und-Nebel-Aktion abrücken“, sagte ihr
       klimapolitischer Sprecher, Andreas Jung, der taz. „Wir pochen auf
       Vertrauensschutz.“ Bürger:innen hätten [3][ein E-Auto] im Vertrauen auf
       den Umweltbonus bestellt. Jetzt werde die Grundlage dafür weggezogen. Das
       belaste vor allem Menschen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen stark.
       Jung fordert, dass die Förderung bis Ende des Jahres weiterläuft. Auch
       sollte nicht das Datum der Zulassung, sondern das für die Bestellung für
       den Zuschuss entscheidend sein, sagte er.
       
       ## VCD sieht keinen Grund für Empörung
       
       Nicht nur in der Opposition, sondern auch in der größten Regierungsfraktion
       im Bundestag gibt es kritische Stimmen. Die SPD-Fraktions-Vizechef:innen
       Detlef Müller, Matthias Miersch und Verena Hubertz bezeichnen den
       kurzfristigen Förderstopp in einer gemeinsamen Erklärung als „unglücklich“:
       „Die Bürgerinnen und Bürger erwarten lebensnahe Übergangsfristen von
       politischen Entscheidungsträgern.“ Die meisten Menschen müssten bei der
       Anschaffung eines neuen Pkws sehr genau rechnen, wie sie sich das leisten
       können, und hätten die Prämie sicher eingeplant. „Daher fordern wir
       Klimaschutzminister Habeck auf, hier einen verlässlicheren Übergang zu
       organisieren“, heißt es in der Erklärung. Was die SPD konkret vorschlägt,
       ist noch unklar.
       
       Ähnlich argumentiert der Verband der Automobilindustrie (VDA). „Aufgrund
       der finanziell angespannten Situation ist der Umweltbonus bei vielen
       Betroffenen – gerade in diesen herausfordernden Zeiten – ganz
       entscheidend“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller.
       
       Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) dagegen sieht weder einen
       Grund für große Empörung, noch teilt er die Forderung nach einer
       Übergangsfrist. „Wir wissen alle, dass das Geld hinten und vorne fehlt“,
       sagte VCD-Mobilitätsexperte Michael Müller-Görnert. Bei der Förderung habe
       es viele Mitnahmeeffekte gegeben von Käufer:innen, die keine staatliche
       Unterstützung brauchen.
       
       Müller-Görnert sieht jetzt die Autoindustrie in der Pflicht, attraktive
       Angebote zu machen. „Die Hersteller müssen bezahlbare und vor allem
       kleinere E-Autos anbieten“, forderte er. Wenn die Regierung einen eigenen
       Anreiz setzen wolle, könne sie das mit der Einführung einer Abgabe für den
       CO₂-Ausstoß im ersten Jahr der Anschaffung eines Autos. Damit würden
       E-Fahrzeuge gegenüber Autos mit Verbrennermotor begünstigt. In anderen
       Ländern wie Frankreich geschähe das bereits.
       
       18 Dec 2023
       
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