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       # taz.de -- Nach Spahn-Rücktritt: Union sucht neuen Fraktionschef
       
       > Mit Söder hat er schon gesprochen, vormittags berät das CDU-Präsidium.
       > Merz will schnell klären, wer Spahn folgt. In der Krise steckt auch eine
       > Chance.
       
   IMG Bild: Kanzleramtschef Thorsten Frei gilt als heißer Kandidat für den Fraktionsvorsitz. Merz schließt einen Kabinettsumbau nicht aus
       
       Nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) berät die
       CDU-Spitze heute über das weitere Vorgehen. Neben dem Präsidium der größten
       Regierungspartei kommt auch der Vorstand der Bundestagsfraktion unter
       Vorsitz von Interimschef Alexander Hoffmann (CSU) zusammen. CDU-Chef und
       Bundeskanzler Friedrich Merz will die Nachfolge von Spahn zügig regeln und
       hat dazu am Wochenende schon Gespräche mit CSU-Chef Markus Söder geführt.
       Die beiden haben das Vorschlagsrecht für den Posten.
       
       Daneben könnten weitere Personalentscheidungen fällig werden. „Es könnte
       eine Gelegenheit sein, noch einmal über die Aufstellung der Bundesregierung
       nachzudenken“, [1][sagte Merz im ZDF-„Sommerinterview“.] Er verwies
       zugleich aber wiederholt darauf, dass er hier im Konjunktiv spreche.
       
       Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Landeschef und Spitzenkandidat zur Landtagswahl
       im September, Daniel Peters, warnte davor, die Entscheidung zu lange
       hinauszuzögern. „Wenn wir jetzt zügig Personalentscheidungen treffen und
       auch die Nachfolge in der Bundestagsfraktion zeitnah geklärt wird, dann
       glaube ich, wird das keine großen Auswirkungen haben“, sagte Peters im
       „Berlin Playbook Podcast“ von Politico auf die Frage nach möglichen Folgen
       für den Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern. „Es hat nur dann Auswirkungen,
       wenn wir uns mit dieser Personaldebatte Zeit lassen, wenn wir uns in eine
       wochenlange Diskussion über mögliche Nachfolger begeben.“
       
       ## Kanzleramtschef Frei als Nachfolger im Gespräch
       
       Die Personalspekulationen laufen bereits auf Hochtouren. Als Kandidat
       Nummer eins für den Fraktionsvorsitz gilt der bisherige Kanzleramtschef
       Thorsten Frei (CDU). Sollte er es werden, würde automatisch eine
       Kabinettsumbildung nötig. Es sind aber auch andere Namen im Gespräch.
       
       Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten am Mittwoch bekanntgegeben, dass
       sie Eltern geworden sind. [2][Eine Leihmutter in den USA] brachte ihren
       Sohn Georg zur Welt. Damit umgingen die beiden ein in Deutschland geltendes
       Verbot, das Spahn als CDU-Politiker mitgetragen hat. In der Union, für die
       die Leihmutterschaft ein emotional sehr aufgeladenes Thema ist, brach ein
       Sturm der Empörung los, der am Samstag zu Spahns Rücktritt führte.
       
       Der Chef der Brandenburger CDU-Landesgruppe im Bundestag, Sebastian
       Steineke, sieht in Spahns Rückzug eine Chance für die Union. „Ich sehe
       keinen Schaden für die Fraktion. Der Rückzug von Jens Spahn bietet jetzt
       die Möglichkeit für eine Neuaufstellung“, sagte der CDU-Abgeordnete der
       Deutschen Presse-Agentur. „Diese Chance sollten wir nutzen.“
       
       ## Chance für Befreiungsschlag
       
       Grünen-Chefin [3][Franziska Brantner sagte im ARD-„Sommerinterview“]: „Das
       wäre doch jetzt der Moment für Herrn Merz, wirklich zu sagen: Jetzt Tabula
       rasa, wir gehen jetzt nochmal neu los.“ Es müsse jetzt vorangehen. Merz
       habe jetzt die Chance, sich zu befreien „im Kabinett von allen, die da
       handwerkliche Schwächen haben und von jenen, die ideologisch verbohrt
       sind“.
       
       Der Kasseler Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder sagte den Zeitungen
       der Funke Mediengruppe, die jetzt anstehende Personalentscheidung sei
       vielleicht die wichtigste, die Merz und die Fraktion treffen müssten. „Die
       prekäre Machtverteilung zwischen Kanzleramt und Fraktion sowie die
       handwerklichen Fehler der vergangenen Monate haben gezeigt, dass die Union
       nicht so weitermachen kann, wenn sie die großen Herausforderungen
       bewältigen will“, sagte er. Die Nachfolge Spahns könne einen „Dominoeffekt
       positiver Art“ auslösen und die Gesamtaufstellung der Union stärken.
       
       Zugleich warnte Schroeder vor einer überhasteten Entscheidung. Zwar müsse
       die Nachfolge „so schnell wie möglich“ geregelt werden. Wichtiger sei
       jedoch eine tragfähige Lösung. „Besser eine innovative und funktionierende
       Lösung, die vielleicht einige Tage länger dauert, weil sie konsensual gut
       abgesichert ist, als eine schnelle Entscheidung, die sich bald schon als
       schwierig herausstellt.“ (dpa)
       
       20 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.zdf.de/play/interviews/zdf-sommerinterviews-102/berlin-direkt---sommerinterview-vom-19-juli-2026-100
   DIR [2] /Umstrittene-Leihmutterschaft/!6196582
   DIR [3] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/sommerinterview-brantner-100.html
       
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