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       # taz.de -- Nachfolger für 9-Euro-Ticket: Die Fahrscheine, bitte!
       
       > Für 49 Euro mit Bus und Bahn durch ganz Deutschland? Die Ampel will's
       > möglich machen. Sozialverbänden und Opposition geht das nicht weit genug.
       
   IMG Bild: Wer wie viel für eine Fahrkarte zahlt, hängt also ganz wesentlich vom Wohnort ab
       
       Berlin taz | Der Sozialverband VdK findet den Preis für das geplante
       Deutschlandticket zu hoch und fordert einen bundesweit gültigen Sozialtarif
       für Menschen mit geringem Einkommen. “Wir fordern, dass alle Bundesländer
       Sozialtarife anbieten“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele auf Anfrage
       der taz. Das Ticket sollte maximal 29 Euro kosten, so Bentele weiter. Auch
       die Diakonie fordert das 29-Euro-Ticket. Ein Sprecher des Paritätischen
       Wohlfahrtsverbandes kritisierte den Preis des Deutschlandtickets ebenfalls
       und sagte der taz, dass der ÖPNV für Sozialleistungsbeziehende
       “perspektivisch kostenlos“ werden sollte.
       
       Am Mittwoch hatte das Bundeskabinett die Einführung des Deutschlandtickets
       beschlossen, noch müssen aber Bundestag und Bundesrat zustimmen. [1][Es
       soll 49 Euro kosten und ab Mai deutschlandweit im Nahverkehr gültig sein.]
       Bund und Länder werden das Deutschlandticket finanzieren und stellen dafür
       jeweils 1,5 Milliarden Euro pro Jahr zur Verfügung. Damit wollen sie
       Verluste der Verkehrsbetriebe ausgleichen. Bundesverkehrsminister Volker
       Wissing (FDP) sagte, das Ticket werde „den ÖPNV für viele Menschen
       dauerhaft attraktiver machen“.
       
       Aber gilt das auch für arme Menschen? Der im [2][Bürgergeld-Regelsatz]
       vorgesehene Betrag für Verkehr beträgt 45,02 Euro, also 3,98 Euro weniger,
       als das Deutschlandticket kosten soll. Die Vorsitzende der Linken, Janine
       Wissler, sagte dazu der taz: “Wer den Preis höher festlegt, schließt damit
       alle Menschen, die auf Bürgergeld angewiesen sind, aus.“ Mobilität sei ein
       Grundrecht. Den Preis über ein Sozialticket für bestimmte Gruppen
       abzusenken, könne laut Wissler ein sinnvoller Schritt sein – “Richtung
       Nulltarif“, den die Linke fordert.
       
       Ein Sprecher des Verkehrsministeriums sagte dazu: “Für bestimmte Gruppen
       können die Bundesländer das Deutschlandticket rabattieren.“ Das sei nicht
       Sache des Bundes, aber Länderinitiativen wie Sozialtarife begrüße das
       Ministerium “ausdrücklich“.
       
       ## Wo gibt es schon Sozialtickets?
       
       Sozialtickets gibt es bereits in vielen Städten und Kommunen. In Tübingen
       fahren unter anderem Empfänger*innen von Bürgergeld für 15 Euro Bus. In
       Berlin gibt es seit Januar sogar ein Ticket für 9 Euro – der Preis gilt
       aber vorerst nur für 3 Monate. In Hamburg gibt es einen Sozialrabatt von
       24,80 Euro, allerdings kostet ein stadtweit gültiges Monatsticket auch mit
       diesem Preisnachlass noch 93,40 Euro. Betroffene in der Hansestadt werden
       vom Deutschland-Ticket also besonders stark profitieren, zumal Hamburg auch
       darauf noch einen zusätzlichen Sozialrabatt plant. Hessen wiederum will
       dieses Jahr ein 31-Euro-Ticket für Geringverdienende einführen, das aber
       nur innerhalb der Landesgrenzen gültig ist.
       
       Wer wie viel für eine Fahrkarte zahlt, hängt also ganz wesentlich vom
       Wohnort ab. Das kritisiert [3][Bentele vom Sozialverband VdK]. “Es darf
       nicht vom Wohnort abhängen, ob sich Menschen mit wenig Geld Mobilität
       leisten können.“ Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband sagt: “Es kann
       nicht sein, dass bundesweite Mobilität und Teilhabe letztlich vom Wohnort
       abhängen.“
       
       Bei aller Kritik am hohen Preis: Wer keinen Anspruch auf Sozialrabatte hat,
       wird in Zukunft immerhin in den meisten Regionen und Städten weniger für
       eine Monatskarte bezahlen als bisher. In München etwa kostet das reguläre
       Monatsticket bislang 63,20 Euro, in Hamburg 118,20 Euro. Mit dem geplanten
       Deutschlandticket würden Münchner*innen also 14,20 Euro und
       Hamburger*innen 69,20 Euro sparen und könnten zusätzlich den Nahverkehr
       deutschlandweit nutzen.
       
       ## 49 Euro als Einführungspreis
       
       Allerdings handelt es sich bei dem Preis für das Deutschlandticket um einen
       Einführungspreis, das Ticket könnte also noch teurer werden. Im
       “regelmäßigen Turnus“ sollen die Kosten und der Preis von Bund und Ländern
       ausgewertet werden, so ein Sprecher des Verkehrsministeriums.
       
       In einer ganz anderen Liga spielt übrigens das brandenburgische Templin.
       Für einige Jahre war der städtische Nahverkehr dort umsonst, aktuell kostet
       ein Abo auch nur 44 Euro pro Jahr. Wer nicht überregional fahren will,
       sollte dort also auf das Deutschlandticket verzichten.
       
       4 Feb 2023
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Oskar Paul
       
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