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       # taz.de -- Regionalwahlen England und Schottland: Wettlauf um die Zukunft
       
       > Die Zukunft Großbritanniens entscheidet sich nicht zwischen Links und
       > Rechts, sondern zwischen London und Edinburgh.
       
   IMG Bild: Will die Unabhängigkeit Schottlands: Nicola Sturgeon, Vorsitzende der Scottish National Party
       
       Zwei politische Akteure von Gewicht sind in Großbritannien noch übrig: die
       regierenden Konservativen von [1][Boris Johnson] – und die schottischen
       Nationalisten von [2][Nicola Sturgeon]. Die Ergebnisse der Regional- und
       Kommunalwahlen vom vergangenen Donnerstag haben diese geographische
       Zweiteilung der britischen Politik erneut bestätigt und sogar verschärft.
       Labour als linke Opposition hat sich nicht durchsetzen können, seine
       wenigen Bastionen nur mit Ach und Krach verteidigt. Die Partei stürzt durch
       dieses Wahldebakel, bei dem ihr Vorsitzender Keir Starmer noch glückloser
       aussieht als vor ihm Jeremy Corbyn, erneut in eine Krise der
       Selbstzerfleischung. Die britische Linke findet ebensowenig wie ihre
       europäischen Freunde überzeugende Antworten auf die Themen, die die
       Mehrheit der Menschen im 21. Jahrhundert bewegen.
       
       So gibt es jetzt in Großbritannien keinen Machtkampf zwischen Links und
       Rechts, sondern zwischen Edinburgh und London. Die SNP strebt ein zweites
       [3][Unabhängigkeitsreferendum] an, die Regierung Johnson lehnt das ab, muss
       es auch nicht zulassen und kann zusehen, wie diese Frage über Jahre erstmal
       die Schotten selbst und später vielleicht die britischen Gerichte
       beschäftigen wird. Ihrerseits arbeiten die Konservativen daran, ihre neuen
       Wählerschichten in den alten Industrieregionen auf Dauer an sich zu binden
       – der [4][Brexit] und die Herausforderungen des Klimawandels bieten viele
       Chancen, um mit massiven Investitionen Zukunftsbranchen zu fördern. Aber
       auch da wird es Jahre dauern, bis jemand etwas davon merkt.
       
       Den großen Knall um Schottland, den vor allem die europäische
       Öffentlichkeit erwartet hat, wird es so schnell nicht geben. Beide Seiten
       haben viel Zeit, und beide profitieren von der Hartnäckigkeit der
       Gegenseite. Und wenn eins bemerkenswert ist an diesen Wahlen, dann, wie
       wenig sich in der Wählerpräferenz verändert hat. Die Verschiebungen in
       Schottland verglichen mit der letzten Wahl, die 2016 noch vor dem
       Brexit-Referendum stattfand, bewegen sich im Promillebereich.
       
       Es ist ein Wettlauf um die lichtere Zukunft, der sich jetzt zwischen
       Johnson und Sturgeon anbahnt. Es sind die einzigen beiden Politiker
       Großbritanniens, die überhaupt gerne von einer besseren Zukunft sprechen.
       Das ist wohl ihr Erfolgsgeheimnis.
       
       9 May 2021
       
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