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       # taz.de -- Schwarz-rote Rentenreform: Die Kapitalrente ist nicht sicher
       
       > Die Bundesregierung will die Vorschläge der Rentenkommission komplett
       > übernehmen. Das ist fatal, denn es würde de facto eine Rentenkürzung
       > bedeuten.
       
   IMG Bild: Die kapitalgedeckte Altersvorsorge ist riskant, kostet hohe Gebühren, und ein Börsencrash ist nicht unwahrscheinlich
       
       Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angekündigt, dass die schwarz-rote
       Bundesregierung [1][die Vorschläge der Rentenkommission komplett
       übernehmen] will. Das ist keine gute Botschaft. Die Kommission schlägt
       nämlich unter anderem vor, dass Beschäftigte und Arbeitgeber:innen
       künftig bis zu jeweils 1 Prozent des Bruttolohns in eine kapitalgedeckte
       Altersvorsorge zahlen sollen.
       
       Denjenigen, die glauben, dass der Finanzmarkt generell besser ist als die
       gesetzliche Rentenversicherung, mag diese „Kapitalrente“ attraktiv
       erscheinen. Aber Vorsicht: Sichere Renditen von mehr als 3 Prozent pro Jahr
       wie in der gesetzlichen Rentenversicherung müssen am Kapitalmarkt erst
       einmal erwirtschaftet werden. Und dass sich die Beitragszahlung in die
       gesetzliche Rentenversicherung für Jüngere nicht lohnt, stimmt nicht.
       
       Vor allem: [2][Die Kapitalrente ist nicht sicher]. Aus guten Gründen hat
       Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) in den 1950er Jahren die Rente von der
       Kapitaldeckung auf das Umlageverfahren umgestellt. Nach zwei Weltkriegen
       war nicht mehr genug Kapital da. Abgesehen davon werden die Zeiten nicht
       friedlicher: Vor Börsencrashs ist niemand sicher. Die Reaktionen an den
       Börsen auf Trumps Kapriolen zeigen, wie schnell Finanzmärkte ins Wanken
       geraten. Und: Investieren am Kapitalmarkt ist nicht umsonst.
       Finanzdienstleister bekommen saftige Gebühren und Provisionen.
       
       Die gesetzliche Rentenversicherung ist stabil und krisenfest, auch wenn sie
       systematisch schlechtgeredet wird. In den vergangenen 20 Jahren ist der
       Anteil der Rentenausgaben am Bruttoinlandsprodukt gesunken und keineswegs
       gestiegen, wie Studien etwa der Hans-Böckler-Stiftung zeigen. Reformdruck
       besteht allenfalls mit Blick auf die Altersarmut. Nötig wäre die Einführung
       einer Mindestrente, von der die Bezieher:innen leben können –
       finanziert etwa durch höhere Bundeszuschüsse. Dass künftige Generationen im
       Alter von Kapitalerträgen stark profitieren, ist nicht mehr als ein vages
       Versprechen.
       
       Gleichzeitig [3][soll die Lebensarbeitszeit steigen], indem das
       Renteneintrittsalter an die allgemeine Lebenserwartung geknüpft wird. Das
       ist nichts anderes als eine Rentenkürzung. Denn die Beschäftigten müssen
       entweder länger für dieselbe Rente arbeiten oder sie bekommen weniger.
       
       Gleichzeitig ist es eine weitere Umverteilung von unten nach oben. Menschen
       mit geringerem Einkommen leben im Schnitt kürzer, gesetzlich
       Krankenversicherte sterben Jahre eher als Privatpatient:innen. Die Ärmeren
       sollen also [4][die Renten] der Wohlhabenderen noch mehr subventionieren,
       als sie es heute schon tun.
       
       24 Jun 2026
       
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