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       # taz.de -- Sturmtief „Ylenia“ in Berlin: Vor dem zweiten Schub
       
       > Warum macht ein Sturmtief Pausen zwischendurch und was haben Stürme im
       > Februar mit dem Klimawandel zu tun? Ein Anruf beim Meteorologen.
       
   IMG Bild: In der Stadt bietet auch mal ein Ampelmast Halt bei Orkanböen
       
       Also, ganz ehrlich“, sage ich zu den Kindern am Frühstückstisch. „So
       richtig nach Orkan sieht das jetzt nicht draußen aus – ihr geht zur Schule,
       und ich gehe joggen.“ Die beiden hatten sich etwas Hoffnung gemacht,
       schließlich hatte Berlin, wie andere Bundesländer auch, es am Donnerstag
       den Eltern freigestellt, ob sie ihre Kinder [1][wegen des Sturmtiefs über
       der Nordhälfte Deutschlands] zur Schule schicken wollen. Die Berliner
       Feuerwehr warnt derweil vor dem Betreten von Parks und Wäldern. Und auf
       meinem Handy leuchtet die [2][Warn-App Nina des Bundesamts für
       Bevölkerungsschutz] dunkelrot: „Warnstufe Unwetter“.
       
       Hm. Der Blick geht vom Smartphone zum Fenster, die Bäume in unserer Straße
       bewegen sich Donnerstagfrüh eher sachte im Wind. Und als ich im Park dann
       (tatsächlich ziemlich alleine allerdings) meine Runde drehe und statt über
       umgestürzte Bäume bloß über umgefallene Leihfahrräder hopse, frage ich mich
       schon: Wozu die ganze Aufregung?
       
       Anruf beim regionalen Wetterbüro des Deutschen Wetterdiensts in Potsdam:
       „Guten Tag, ich war gerade joggen im Park – wo genau war der Orkan, den mir
       meine Warn-App anzeigt?“ Der diensthabende Meteorologe Robert Noth erklärt
       am Donnerstag offensichtlich einigen Laien die Wetterlage, er ist geduldig.
       Ich sei in einer „Pause“ unterwegs gewesen, sagt Noth.
       
       „Ylenia“, so heißt das Sturmtief, habe zwei Höhepunkte: „Der erste war in
       der Nacht zu Donnerstag zwischen Mitternacht und 2 Uhr, da gab es eine
       Kaltfront mit Graupelgewitter und Starkregen.“ Den hätte ich vermutlich
       verschlafen (Recht hat er). Eine Kaltfront habe für heftige Bewegungen in
       der Atmosphäre gesorgt, sagt der Meteorologe. Ist die Kaltfront abgezogen,
       erhole sich die Atmosphäre einige Stunden lang – „da waren Sie vermutlich
       joggen“ – aber dann komme oft ein zweiter Schub.
       
       ## Schwankend auf dem Rad
       
       „Ylenia“ hat ihren zweiten Schub am Donnerstagmittag: Auf dem Weg in die
       Redaktion bringen mich die Böen auf dem Rad ziemlich zum Schwanken. Und
       Meteorologe Roth sagt, auch am Freitag sei noch nichts ausgestanden – denn
       in der Nacht zu Samstag warte bereits die nächste Kaltfront.
       
       Eigentlich, sagt der Wetterexperte, sehe man solche Stürme übrigens später
       im Frühjahr, im März oder April. Dass die jetzt schon im Februar kämen, sei
       aus seiner Sicht auch eine [3][Folge des Klimwandels]. Die warmen
       Luftmassen aus dem Süden kämen inzwischen früher im Jahr auf der
       Nordhalbkugel an und träfen dort auf polare Luftmassen. In diesen
       Begegnungszonen geht es dann ordentlich rund – mal ganz unwissenschaftlich
       gesprochen (Entschuldigung, Herr Roth).
       
       Aus „Ylenia“ wird in der Nacht zu Samstag übrigens die nicht ganz so
       furiose „Zeynep“. Auch sie wird verwehen. Der Klimawandel bleibt.
       
       17 Feb 2022
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Anna Klöpper
       
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